Friday, November 15, 2013

DEATH TOLL RISING - Infection Legacy - Cd / Selbstgezapft



“Pull the trigger and embrace the feeling!” Das und nicht mehr haben DEATH TOLL RISING aus dem kalten Kanada über sich zu sagen. Dieser Slogan soll wohl für sich sprechen. Hau drauf und lass dir die Scheiße um die Ohren blasen bis sie bluten und du Genuss neu definierst. Klingt nach dicker Hose, oder aber einfach das Konzept des Metal auf den Punkt gebracht. Natürlich sollte das auch auf jede andere Band zutreffen, und natürlich sollte sich dahinter genügend Schmatze und Marmelade verbergen, um nicht das nächste nervige Schrotteil gegen die Wand zu fahren. Aber im Prinzip haben sie ja recht, was nützt es mit gehobenem Anspruch fein zu dinieren, sich schick raus zu putzen, den gestärkten Zwirn an den Kadaver zu spaxen, das Äußere für anderer blinkern zu lassen, wenn es statt einem  5 Gänge Menü doch nur wieder Fritten und Pizza aus der Schachtel gibt, denn das ist Metal nun mal. Einfach, ehrlich und hart wie angetrocknete Fastfoodsreste. Womit ich nicht sagen will, dass die Mucke, die uns ständig mit all ihren Ecken und Unfreundlichkeiten, ihren morbiden Fantasien und düsteren Aussichten begleitet, auch nur annähernd schnelle Kost wäre, aber das wisst ihr.

Wo nun stehen DEATH TOLL RISING? Nun, mit allen Beinen die so eine Band an sich dran hat fest auf dem Boden. In musikalischer Hinsicht, vom Rest weiß ich so wenig wie von der unbefleckten Empfängnis. Unbefleckt ist bei den Herren ohnehin so gut wie gar nichts. Nicht die Unschuld, denn die wird mit rabiatem Tempo zur Hölle katapultiert, nicht die Zurückhaltung, denn die scheint ihnen fremder als das eigene Paar löchrige Socken. Und auch nicht Hingabe. Hingabe an das totale Produkt bedeutet in diesem Falle, sich schmutzig und blutig zu machen. Das tun sie mit einer leicht gehetzten aber auch sehr rohen Mixtur aus vornehmlich Thrash und sekundär Death Metal gefälligen Brutaloeinschüben. Zweiteres bezieht sich auf die Produktion, teilweise den Gesang des Frontmanns, und hier und da direkte Verweise ins Bleihaltige. Ersteres erweist sich aber als dominantere Gewichtung. Jedes Riff sitzt wie eine abgenähte schwarze Jeans aus den 80ern am einst straffen Hintern, mäht die Hecke gegen den Strom vom Schädel und hat hohen Wiedererkennungswert. Um nun nicht die Zeit und deren Vasallen zu kopieren, mögen sie es partiell auch technischer, halten sich damit aber insoweit zurück, dass ihnen nicht die Glaubwürdigkeit abhandenkommt wie die Brieftasche beim letzten Osteuropatrip. Ja, für Stereotype lassen sie auch Platz, zu viel Herumgegabel, zu viel freies Experimentieren entzieht sich der Sichtung. Eingängig und aggressiv, nah an dem was man ohnehin seit Ewigkeiten auf dem Plattenteller hat, das ist die Maxime einer gut aufgestellten Band. Und wenn sie dann in die hohen Saiten greifen, kann das schon mal nach klassischem Metal klingen, vereinzelt auch nach Slayer oder Exodus, obwohl die bei den Riffs intensivere Patenarbeit geleistet haben. Letztendlich hat der Rausschmeißer Septic Entity sogar unerwartete Tiefe! Die Produktion drückt die Luft aus dem Sack und lässt nur komprimierte Spielwut zurück.

Ob das nun etwas wirklich Besonderes ist, wage ich zu bezweifeln, macht aber dem Bandslogan zu etwas sehr authentischem. Die Hütte wird eingerissen mit allen Mitteln die zur Verfügung stehen, schnelle sich überschlagende Drums, speedversessene Gitarren und ein Rhythmus der so gängig ist, dass man eigentlich ohne viel nachzudenken mitgehen muss. Kann sein, dass sie es sich ankreiden lassen müssen, kaum wirklich frischen Wind in den verrauchten Keller zu bringen. Keiner traut sich, die festgerosteten Fenster einen Spalt weit aufzumachen, neuem Spirit eine Chance zu lassen. Klar, alles was DEATH TOLL RIOSING in diversen, risikofreien Mischformen auf ihrer Scheibe anbieten, hat seine Haltwertzeit schon längst hinter sich. Aber muss das jemandem, der sich dort wohl fühlt, wo Licht und Sauerstoff auf der roten Liste stehen, ein schlechtes Gewissen machen, wenn er sich das Ding ein ums andere mal geistig verklappt? Wohl kaum, denn Energie und Leidenschaft als auch das nötige Händchen für eine gescheite Umsetzung sind nun wirklich keine Mangelware. „Infection Legacy“  bietet genau deshalb reichlich Stoff für so einige kommende Gelage.
https://www.facebook.com/DeathTollRising
7/10

No comments:

Post a Comment