Wednesday, November 6, 2013

DISCREATION - The Silence Of The Gods - Cd / Remission Records



In der FAZ stand, dass der Hesse eher an Wunder zu glauben bereit ist, als an Gott als personifizierter Wohltäter. Was im Umkehrschluss nur bedeuten kann, dass der Hesse durchaus mystisches Talent bis hin zur Blauäugigkeit hat und trotzdem so viel Realitätsbewusstsein an den Tag legt, dass er der traditionellen Institution Kirche den Rücken kehrt. Ihr berühmtester Export war ja schließlich auch gott-,  und kopflos, eben nicht gerade Freund seiner Mitmenschen. Zumindest glaubt Hollywood das zu wissen. De Hesse komme, Gott bewahre! Wenn er denn könnte, denn laut DISCREATION aus Hanau schweigt Rauschebart zwischen Kassel und Heppenheim, Limburg und Fulda. Und nicht nur er, sondern alles an andersgöttlicher Präsenz neben seinem Monotheismus. Was geht da nur vor, im Land der Ungläubigen, macht sich jetzt der Schrecken des Kommunismus breit, laufen wir Gefahr von einer Welle des Atheismus überrollt zu werden? Zeit für eine Spurensuche!

DISCREATION nehmen alles was am Menschen verrucht sein könnte aufs Korn, erzählt durch einen Strauß rotter Spätblüher und Mithilfe von Keule und falschen Streicheleinheiten. Wir missdeuten die Zeichen des Untergangs, streben nur in eigenem Interesse, sind rücksichtslos, schlucken alle Lügen und verbreiten sie mit Freude, wir sind die Dummen und die Vernichter, die Marionetten und die Fädenzieher der Apokalypse. Grob über den Dorn gespaxt ist das das Bild, das die Band zeichnet, und dafür bedarf es keiner göttlichen Hand mehr. So einfach ist das, beruhigend oder?

Und wie setzten sie das nun musikalisch um, wie transportieren sie ihre Botschaft der letzten Tage, die wir gerade in vollen Zügen ignorieren? Mit Death Metal auf der Wippe. Auf der Wippe von Aggression; Melodie und Mitgröhlattitüde (muss ein nicht ganz ausgewuchtetes Dreibein sein). Irgendwo zwischen Blood Red Throne, Amon Amarth, Demonical und Obscenity. Die führenden Riffs sind meist relative simpel, aufgrund dessen auch sehr prägnant, stehen wie ein Fels im Sturm, halten akustischer Erosion ohne Probleme stand. Das Drumherum gibt Tiefe, geschickte und gut getimte Drums ebenso wie der Rhythmus, dem man sich fast nie in den Weg stellen sollte. DISCREATION spielen so ein bisschen mit angesagtem Populismus schwedischer Machart, halten ihre Stück vordergründig einfach und sind dennoch ganz gewiefte Songschreiber, wenn es um die Feinheiten geht. Melodie trifft auf ausgeprägte Härte von Midtempo bis an den Rand flotter Ellenbogenfreiheit. Der melodische Part ist immer nur so weit von der Hundehütte entfernt, die Kette immer nur so lang, dass der Gesamteindruck nicht zu verwaschen und verweichlicht wird. Dominanter ist da schon die Keule, die wie erwähnt riffbetont das Sagen hat. Jene aber auch nicht über den Point Of No Return hinaus, soll heißen sie sparen es sich primitiv und düster durch den Nebel zu stolpern. Manche Stücke mögen leicht durchschaubar wirken, haben für das Publikum und den Livecharakter aber das größte Potential. So zum Beispiel „Wartribe“ das an simpler Genialität im glaubensresistenten Mittelteil der Republik fast unschlagbar sein dürfte. Um einiges Vielschichtiger und fixer auf den Sohlen geht es natürlich auch, wie bei „Event Horizon“ oder dem Einstieg „Savage Soul“. Lediglich das basisgebende Prinzip ist immer das gleiche; Wir geben euch ein Lead, ihr behaltet es im Kopf, lasst die Rübe kreisen, und um das Paket drum herum, um die Verpackung kümmern wir uns dann, ohne dass ihr davon zu sehr beansprucht werdet. Aber doch immer so weit, dass ihr staunt und Spaß am Abriss habt. Gutes Konzept, würde ich behaupten, auch wenn ich mir das gerade selbst aus den Fingern gesaugt habe.

„The Silence Of The Gods“ beinhaltet sowohl Kurzweil als auch Anspruch mit Fokus auf gesteigertem Unterhaltungswert. Die schreiben die Stücke, weil sie wollen, dass es den Leuten gefällt. Und mit einem glasklaren und druckvoll produzierten Sound sollte das auch gelingen. Am Ende erweist sich das Album dann doch gottgefällig, hält es seine wildesten Schäfchen mit Hingabe und künstlerischer Gefälligkeit von zu viel blasphemischer Hirnnutzung ab. 
8/10

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