Friday, November 1, 2013

FERETRUM - From Far Beyond (re-release) - Cd / Memento Mori



Hat mal wieder einer die alte Truhe auf dem Boden der vergessenen Nichtigkeiten durchwühlt. Geschüttelt und gekramt bis was rausgefallen ist. Unter all den modrigen Lumpen, vergilbten Erinnerungen und überschätzten Werten kamen die so ziemlich unbekannten Spanier FERETRUM ins trübe Licht. Kennt die einer wirklich? 

Deren Debüt und so ziemlich einigstes echtes Lebenszeichen (2 Demos vorweg) hat nun 2 Dekaden auf der Schwarte und wurde seinerzeit lediglich auf Tape veröffentlicht, mit einer mageren Auflage von 100 Stück. Spanien in der ersten Hochzeit des Death Metal muss eine elende Brache gewesen sein. Da frag ich mich doch allen Ernstes, wie ein heutiges Label über so einen alten Besen mit so niedriger Fabrikationsrate gestolpert ist. Und ob überhaupt jemand daran Interesse zeigt. Sicherlich ist es wieder eines von der Sorte, das damals alle möglichen Musiker entscheidend beeinflusst hat, eines an das sich die „Veteranen“ mit Selbstverständlichkeit erinnern. 

Nun ist das Album jedenfalls wieder da, mit neuem Artwork, Texten, Bio und Schnickschnack. Kommt wohl relativ aufwendig aus der Versenkung. Remasterd und das ganze Programm. Aber was haben wir da nun wirklich? 

Durch den verschnarrten Sound mit Hintergrundrauschen wie TV Sendepause (kennt auch keiner mehr) purzelt antiker Bleihagel, sondert willkürlich streuende Schrapsels in die nähere Umgebung ab und detoniert ungesteuert aber verheerend, hinterlässt einen größeren Krater als anfänglich vermutet. Die Musiker krawallen herum als gäbe es keinen neuerlichen Sonnenaufgang mehr. Was es ziemlich bald nach dem Album auch zur bitteren Realität mutierte. Haben sich hernach, als das ursprüngliche Besetzungsgefüge auseinander brach, noch erfolglos als Grindband versucht. Auf From Far Beyond, einem Titel der keine Parallelen ins amerikanische hat, oder zumindest nicht gar so offensichtliche, springt uns Okkultismus in seiner düstersten Form an. FERETRUM waren ideologische Schwarzmaler, die Death Metal auf sehr kakophonische, übel chaotische Art gespielt haben. Zwar ist es zwischendrin auch harmonisch, aber eigentlich gehen sie mit roher Gewalt und der Macht der rostigen Brechstange zur Sache. Primitiv im durchweg positiuven sinne, die knallen erst mal ein paar blutige Steasks auf die Anrichte, geben Hitze und Insekten dazu und lassen den Hörer entscheiden, ob er davon wirklich kosten will. Krankes Knüppelfutter auf den ersten Blick, der zweite offenbart aber mehr. Etwas ins Hintertreffen, trotz des soundtechnischen Frischputzes, gerät die Leadgitarre, die wohl eine sehr unterbewertete aber bärenstarke Vorstellung liefert, schwedische Melodien zwischen die düsteren und kantigen Riffs schiebt und auch disharmonisch über die Prärie pfeift.
Partiell schlägt die Band auch doomige Töne an, hat einen morbiden Hang zu Autopsy, lassen sich aber auch von Skandinaviern beeinflussen. In erster Linie waren sie eine dieser Friedhofsbands, die in dem ganzen selbstverantworteten Nebel, dem Labyrinth aus selbstgemeißelten Grabsteinen und der eigens dafür produzierten Finsternis den Ausgang nicht mehr gefunden haben. Und sie waren auch eine Band, die damals so klang, wie Scharen von Nachzüglern heute, die ihr Stück von der verrotteten Torte abhaben wollen. So gesehen hätten sie in ihrer aktiven Phase mehr verdient, als eine poplige Kassette und 100 verkaufte Exemplare. Das Label sieht Verbindungen zu Nihilist, Unleashed, Morbid Angel und Death, denen ich mich nur zum Teil anschließe, generell aber fährt das Album schon diese Richtung. Viel mehr gab es ja auch nicht, leichtfertig betrachtet. Eins steht jedenfalls fest, langweilig können sie nicht gewesen sein, denn dafür ist das Rumpeln und Pumpeln, das Sägen und Hacken, das Komponieren und Improvisieren viel zu gehaltvoll. Denn hinter der Fassade von purer Gewalt verstecken sich Geschick kopulierend mit Idealismus. Düsterfreaks eben, mit leider zu kurzem Atem. 
Wer sich nun beflissen fühlt karitativ zu wirken und einer Tapeleiche was Gutes tun will, wer nicht allzu großen Wert auf sauberen Sound legt, der hat sicher schon größere Fehler gemacht, als hierfür ein Loch in den Sparstrumpf zu schneiden.

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