Tuesday, November 26, 2013

FUN AT THE MORGUE - Massoula - Mcd / Autoreanimation



Da wo der Spaß für gewöhnlich aufhört, beginnt er für ein paar Jungs, die halb eidgenössischen Verpflichtungen nachgehen und zur anderen Hälfte französisches Staatsgebiet annektiert haben, – mit dem Zettel am Zeh. Aber Humor ist ja bekanntlich, wenn trotzdem einer dafür bezahlt. In besagtem Falle sind es die abgelegten und auf Eis geschobenen Restbestände menschlicher Daseinsformen. Ausharrend bis zum finalen Recycling blicken sie nun mit trüben Augen dem Unvermeidlichen ins Antlitz und können sich auch nicht wehren, wenn sie zum Objekt der Belustigung für 4 Gestörte werden, die ihren ganzen künstlerischen Intellekt gegen ihren  unterkühlten Zustand branden lassen. Manchmal läuft’s halt blöd, da bist du das ganze Leben gestraft mit schreienden Ehefrauen, plärrenden Blagen, zeternden Schwiegermüttern, brüllenden Vorgesetzten und nervigen Nachbarn, dass du dich auf ein bisschen Ruhe hinterm Horizont freust, irgendwo auch Anspruch auf ein stilles Eckchen erhoffst und BÄNG!, da geht das Getöse weiter. Und diesmal bist du nicht mal direkt gemeint, keiner hat was gegen dich, du liegst nur zur falschen Zeit am falschen Ort. Genau so funktioniert das Prinzip Stirb Langsam. Plötzlich bricht die Hölle über polierten Edelstahl und gefliestes Ambiente herein, die Ruhe Sanft Nummer mutiert zu einem feuchtlustigen Ständchen auf übersteuerter Gerätschaft und es holzt und hämmert ohrenbetäubend von Wänden, die auf derart akustische Angriffe gar nicht vorbereitet waren. Grind, Gore und Geschepper, morbide Unterhaltung und debile Freuden so fungiert der Versuch eines beschwingten Reanimationsprozesses an unfreiwilligen Herumliegenden.

Nach dem Warum fragt sich keiner, sowieso ist das Wie viel interessanter. Und zwar mit der Kettensäge und dem Vorschlaghammer…also sprichwörtlich, nicht so in echt, das ginge dann doch zu weit. Massoula beginnt recht unspektakulär und bieder mit einem Instrumentalstück das austauschbar bleibt und wenig Ambitionen zeigt, Tote oder gar Lebendige zu belustigen. Nachfolgend jedoch erhält derjenige der sich an die nicht ganz gesunden Ergüsse der Herren heranwagt, eine Lektion in Grindcore. Und zwar sowohl im hemmungslosen Getöse als auch im gorigen Groove. Abwechselnd erfahrt ihr, wie sich Napalm Death und CBT gegeneinander ausspielen lassen. FUN AT THE MORGUE haben zum Beispiel ihre eigene Version von „You Suffer“… irgendwie. Eine Tiefenanalyse des Originals und des Pendant führe an dieser Stelle zu weit. Es sei der Kürze der zeit geschuldet. Dann wiederum kommen sie mit einem ach so typischen CBT Groove an der Hand ums Eck, bleiben durchweg locker und entspannt, massieren ihren relaxten Humptata – Rhythmus hinter den Ohren. Nehmen wir Dark Prophecies, das ist eine gänzlich berechenbare und gewöhnliche Goregrindnummer ohne echte Highlights aber dafür mit genau dem tiefgestapeltem Erschwerniszuschlag, der emotionalen Dichte, die zahlreiche Bekloppte jährlich dazu veranlasst sich in rosa Tütüs und Kuschelbärenkostüme zu stürzen. Oder sich nackt im Schlamm zu wälzen und Gasmasken über die schrumpelige Nille zu ziehen. Zu sehen unter anderem auf dem Obscene Fest.

Mit ihrem hin und herspringen zwischen brutaler Raserei und relaxtem Gestampfe hält die Band sich alle Möglichkeiten offen. Wenn es schon nichts wird mit der hohen Kunst des edel Musizierens, dann sollte doch wenigstens das Erzeugen eines chaotischen Geräuscheteppichs unterhaltsam bleiben. Und das ist dann auch gelungen. Sie kommen natürlich nicht umhin, im Grunde billiger Pulp zu sein, mit einem Sound der Kellerwände rissig macht und Ideen, die läufig sind wie Katzen im März. Das bleibt aber bedeutungslos, wenn ihr als Konsumenten das Wesentlich erfasst. Es ist alles nur ein Spiel. Eines das lustiger mit steigendem Alkoholspiegel im mit Formaldehyd angereicherten Blutkreislauf wird, und lauter aufgrund desgleichen. Tritt dieser Zustand ein, werden zusätzlich abstruse Ideen geboren, deren Unterhaltungswert immer mehr gen heitere Geschmacksverirrung pegelt, je später der Abend wird. Da kommt dann die Sache mit dem Humor wieder ins Spiel. Und diesmal bleiben die am verdienten verrotten Begriffenen außen vor. Es sei denn wir sprächen von intellektueller Leichenschändung. FUN AT THE MORGUE haben die Chuzpe einen alten Iron ButterflySong  auseinanderzunehmen und die leeren Textstellen mit Kc And The Sunshine Bands´ Refrain aus Thats´s The Way I Like It zu stopfen. Auch wenn´s  hakelig klingt, lachen musste ich doch und live geht das sicher ganz prima unters durcheinander stolpernde Volk. 

Also, Massoula sägt herzerfrischend an alten Knochen, sucht nach Verbindungen zu Terrorizer, Carcass und Co und mag das anrüchige Genre rollender Grooves mindestens genau so sehr. Sie nennen Hinterwäldler, Schweineficker und Leichenfresser ihre Brüder im Geiste und zementieren ihre ehrenhaften Absichten mittig in diesen plastinen Silberling, auf das ihr zu treuen Konsumenten freudig krankhafter Gedankenspiele werdet. Guten Appetit! 

https://www.facebook.com/pages/Fun-At-The-Morgue/317256088379421

7/10

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