Monday, November 18, 2013

HARM - Cadaver Christi - Cd / FDA Rekotz



HARM stecken bis über alle Ohren, die so ein Bandkader sein eigen nennt im Sumpf klassischer Gitarrenverstärkung, verhaken sich im Gestrüpp aus schwedischen Dornen und dem was das blühende Umland des Death und Black Metal in seiner frühen Epoche so ausgekotzt hat. Ausgekotzt ist wohl das passende Beschreibungswort, so ungemein kratzig und würgend wie Stück für Stück auf den apokalyptischen Endzeitboden, besudelt mit allen Klischees die noch Freude bereiten dürfen, gespuckt werden. „Cadaver Christi“ ist wohl eine der morbidesten Akkustikanschläge der letzten Zeit. Rumpelnd, walzend, holprig und immer wieder schleppend, als wäre Gevatter Tod derjenige, der hinter dem Vorhang als 5. Mann mit klammen Knochenfingern die Register zieht. Vom Ripper, über bröcklige Endzeitvisionen bis hin zum Unheiligsten hinterm großmütterlichen Herdfeuer dürft ihr euch auf alle Ingredienzien freuen, die sich eine Totmetallkapelle selbst verdient hat. Bei HARM währt das Verdienen, seit sie der Kettensäge zur Göttlichkeit verholfen haben. Der Titeltrack des Debüts stammt im Übrigen von ebenjenem Tape „ God Forgives ... My Chainsaw Not“ Was ein herrlich aufgesetzter Machete – Spruch, Cheech Marin hätte nicht kreativer ein können! Die lachen sich doch hinter den Kulissen eckig über so viel Spitzfindigkeit. Nur dass eine Kettensäge in den richtigen Händen filigraner sein kann, als HARM das mit ihrer rüden Art wohlerzogenen Musikgeschmack zu versauen, überhaupt beabsichtigt haben. Mit eiskaltem Kalkül schreddern sie eine primitive Rille in die noch jungen Analen ihrer Bandhistorie, machen sich nicht die Mühe, die Quellen ihrer Inspirationen zu verschleiern, rammeln die Klinken in die Buchsen wie eine wilde Rotte tollwütiger Feldhasen mit Adipositasrisiko. Unter bewusstem Verzicht auf allzu viel melodiöses Treiben packen sie ihren Faves an den Eiern. Der Sound klingt nach Nihilist und dergleichen, das sumpfige Gefühl von comicartig übersteigertem Grauen kommt aus der Autopsy Ecke und der Rhythmus und immer wieder auch die Arrangements von Hellhammers´ Amboss. Nuclear Holocaust zum Beispiel, das hätte auch Teil von „Satanic Rites“ sein können. Das kehlige Verwirbeln des unterschätzten Vokals U, so wie es der Mikroknecht des nicht ganz gesunden Showquartetts zum Besten bricht, ist ein weiterer ehrerbietiger Verweis in diese Richtung. Und weil die 4 sicher mit ihrer Plattensammlung öffentlich Koitus haben, hatten sie auch gar keine Alternative zu dem was da aus ihnen heraus uns auf uns herunter bricht. Es ist die Hölle! Die Hölle aus zitternden Bässen die mit genüsslichem Schwung über das Holz schrammen, aus (natürlich trotzdem) vorhandenen Melodien ähnlich den Geräuschen die Verwesenden tief unterm Totenacker entweichen, aus vokalem Vokabularsalat der mit bahnbrechender Inbrunst in den freien Raum schallt. Angeheizt durch ungemein dreckige Riffs, die an primitiven Schlachtplatten nimmer satt werden. Und mittendrin, direkt über der Feuerstelle mit dem Arsch in der ewigen Flamme sitzt der Schlagzeuger, der sich nicht von Schmerz und Hitze beeindrucken lässt, beinahe sonor, immer aber cool seine Felle streichelt.

Wem das nun zu dick aufgetragen war, dem sei gesagt, HARM halten sich an die ungeschriebenen Spielregeln des Death Metal. Sie sind intensiv mit ihren Wurzeln verbunden, zocken ein einfach gestricktes Muster, knien sich dort aber intensiv rein. Sie lassen die hohen Saiten erzittern und sägen auf allen anderen. Sie sind keine Schöngeister, sondern lassen einfach alles von der Kette, was laut und fies allgemeinen Unmut in die Welt rotzt. Musikalisch ist das durchweg ernst zu nehmen, lyrisch ehre nicht (“Blood For God“ sei da mal ausgeklammert). Das würde wankende Geister in die Irre führen. Texte müssen auf die Musik passen und Satan ist da auch nicht mehr als der Kumpel, der die nächste Runde gibt. Meine Favoriten sind daher „Cross Desecration“ und das bereits hervorgekramte „Nuclear Holocaust“ Das diese beiden Stücke eher langsamer und dementsprechend sicker sind als einiges was zuvor lief, ist nicht ganz zufällig. Die haben so viel schwergewichtiges Gehänge zwischen den Beinen, dass deren Haltwertzeit noch lange nicht abgelaufen sein wird. Vielleicht liegt es auch daran, dass hier der Hellhammer Touch am Größten ist und ich rein subjektiv im Moment dafür eine Ader habe. Was das im Endeffekt aber zu beweisen in der Lage ist, ist der Fakt, dass HARM trotz eigener Limitierung auf ein relativ primitives Spektrum keine Abstriche in punkto Kreativität machen. Sie mischen sich das ganz nach internem Geschmack zusammen und verpassen jedem noch so staubig und simpel erscheinenden Song ein eigenes, wenn auch hässliches Gesicht.

Wer nun glaubt, Jesus wäre ein Hurensohn und Jack The Ripper ein Heilsbringer, wer der Überzeugung ist, dass der Tresen auch am letzten Weltentag noch voll bestückt sein sollte, der sei auf ein zügelloses Gelage mit der Band eingeladen.
8/10

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