Friday, November 8, 2013

HERETIC SOUL - The Nihilistic Attitude - Cd / PRC Music



Die Sichel vom Bosporus mäht wieder! Der eine sieht darin deutliche Einflüsse polnischer Blast-,  und Blasphemieerfolge. Der andere definitive Amerikanismen klassischer Schule und ein dritter möchte sogar Deathcore erkennen. Letzteres liegt aller Voraussicht an der Produktion und weniger an den verwendeten Stilelementen. Doch wie nahe rücken HERETIC SOUL den Erkenntnissen der Kritiker wirklich? 

Es wird schnell deutlich, dass sie viel Wert auf eine messerscharfe Produktion legen und ihr Album sehr ernst nehmen. Auch wenn das Songwriting im Verlaufe des Albums immer mehr den Eindruck eines postmodernen Liegestuhls hinterlässt. Als hätten die Musiker sich zurück gelehnt und ihre Instrumente für sich sprechen lassen, mehr Jam und einfach mal rollen lassen, als ernsthaft bis in den hintersten Winkel zu kalkulieren. Aber das täuscht, denn genau das ist die Vorgehensweise des Albums. Alles mit System zu durchdenken, den Kopf frei zu bekommen und die Finger zu lockern. Dann drauf los und aus gesammelten Einflüssen eine Maschine zu bauen, bei der auch die letzte Lötstelle hält. So tragen die Riffs sehr weit, geben sich betont melodisch und episch, verstricken sich aber gleichzeitig auch in nicht ganz so spektakuläre Stakkatos. Dann wieder nimmt sich der Verein mutwillig zurück und zeigt eine melancholische Seite. Aggression spielt weniger eine Rolle, als perfektes Timing, häufig folgen dem präzisen Marschrhythmus akustische Einlagen, deren Zweck erst klar wird, wenn sie von der Leadgitarre rüde zum verstummen gezwungen werden. Anschleichen und dann zuschlagen. Zeitgleich gibt es keine Berührungsängste mit partiellen Experimenten, mit dem Versuch, dem Genre neue Seiten abzugewinnen. Was dann bedauerlicherweise zur Gänze fehlt ist der so bitter nötige Spielfluss, der ein komplettes Album auch zusammen halten kann. Darin ist die Band wohl noch nicht trainiert. Die einzelnen Songs halten sich eher lose und ziemlich unterkühlt aneinander fest und profitieren in ihrer Gesamtheit nur wenig vom handwerklichen Können der Schöpfer. Der  Fokus liegt deutlich auf atmosphärischen Einzelelementen, aus denen ein Stück dann zusammen geschraubt wird. Das hat was von den Nerds´ im Studentenkämmerlein, die aus genialen Ideen noch genialere Erfindungen an die Wand malen, bis zum logischen Exodus theoretisieren, aber nur mal vor die Tür kommen um dem Pizzajungen die Schachtel abzunehmen. Nun ist diese Seite der Band nicht die einzige die nach Raum sucht. Auch der traditionelle Teil, der Death Metal der auf Vorschub mit dicken Riffs und röhrenden Drums setzt, ist nicht vernachlässigt. Die können wenn sie wollen schon mal losbrettern, als hätten sie Bremsen und Verstand auf dem Küchenbord liegen lassen. Einen ganzen Song lang stehen sie das nun zwar nicht durch, dafür schichten sie viel zu gern mit diversen Elementen, aber immerhin. HERETIC SOUL scheinen mir eine Band, die sich weniger von Inspiration denn von Kalkül und Lerneifer leiten lässt. Die richtig sauber und technisch perfekt dastehen wollen. Hierher rührt auch der Eindruck, dass sie Deathcore beeinflusst sind.

Aber die Musik ist dann gar nicht so kompliziert, geht weitestgehend und freundlich betrachtet fix und straff ans Eingemachte, hat in etwa den Drive, den flotter Death Metal nun mal benötigt um zu funktionieren. Und der polnische Richtungsverweis ist auch der prägnanteste. Hört euch nur mal die Drums an. Auf die Dauerberauschung im Geschwindigkeitsstrudel oder zu düstere Atmosphäre verzichten sie dann aber doch. Wenn jemand unbedingt einen direkten Verweis sucht, dann am ehesten zu Yattering. Auch wenn die technisch noch fitter und irgendwie auch eine Spur kreativer waren. Das soll HERETIC SOUL aber nicht zum Nachteil gereichen. Das was vielleicht heute noch lose Enden sind, kann morgen schon wieder zu neuen Knotenpunkte heran wachsen, weil die Akteure sehr beflissen sind, ihr Projekt voran zu treiben und es auch jedermann unter den Rüssel zu halten. Am Willen wird es nicht scheitern! 
6/10

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