Monday, November 4, 2013

HYBREED CHAOS - Dying Dogma - Cd / PRC Music



Dieses Album wird niemanden kalt lassen – so weiß es der Pressetext ganz genau. Nun, nach fast zu vielen Runden mit HYBRID CHAOS schätze ich deren Musikalität, aber kalt gelassen hat es mich doch. Genauso wie die Aussicht auf bezahlte Überstunden oder Sonnenschein im beschissenen November. Woran liegt das, an herbstlicher Depression, dem tieferen Wissen, dass es immer noch schlimmer geht, oder vielleicht einfach nur daran, dass die Band es verpasst hat, ihren Hörern für die Kreuzfahrt durch das Chaos einen Streckenplan in die Hand zu drücken?
HYBRID CHAOS zeichnen selbstbewusst verantwortlich für genau diese Art Death Metal, der Breaks liebt, der bis zu einem eben noch erstrebenswerten Punkt progressiv ist und der leider sehr wenig Spielfluss zulässt, weil die Arrangements viel zu verschachtelt sein müssen. Klar, die Band hat sich für diesen Weg entschieden, spielen relativ anspruchsvoll zugunsten eines moderaten Tempos und verzichtet auf Riffs die wirklich mal kleben bleiben. Disharmonie vor Eingängigkeit. Klar ist aber auch, dass sie damit das „normale“ Publikum nicht ansprechen wollen. Wie auch, mit einem Album das einem Experiment näher kommt, als einer Scheibe, die einfach nur wild strampeln will. Anspruchsvoll irgendwie, oder auch den Karren überladen, kommt ganz darauf an, durch welche Tür man das Haus betritt. Unverkennbar ist, das deren technische Seite ungemein stark, es werden sogar Parallelen zu Voivod gezogen. Das mag auf den ersten Ritt nicht im Bannstrahl der Öffentlichkeit stehen, liegt aber auch nicht an der werbewirksam in Szene gesetzten beider Herkunft aus Kanada. Sondern ganz einfach daran, dass sie sich auf mehr einlassen, als es die gewöhnliche Bleispritze zu spucken in der Lage ist. Zur Debatte stehen desweiteren Gorguts und die Gründe sind die gleichen, nur dass die natürlich näher am Death Metal sind als Voivod, beide aber auf ihre Art mindestens ebenbürtig kakophonisch. Na ja und Suffocation, die passen in Sachen technischem Vergleichs sowie so fast immer, weil jede Band die nicht gerade eben stumpf und morbide über Friedhöfe schlurft, im Schatten der Amerikaner steht. Stellen sich auch alle selbst rein! Und aus dieser Mischung setzt sich nun das nahezu komplette Konstrukt HYBREED CHAOS zusammen, spielt uns nicht gerade leicht zu konsumierende Musik, an deren „Satzbau“ die Schöpfer wahrscheinlich mehr Freude haben als das gestresste Publikum, das das aushalten muss. Nee Quatsch, ist keine schlechte Musik, hohes Niveau und so, aber auch kalt und unnahbar.
Welche Dogmen nun laut Titel sterben lässt, lässt sich auch nicht so einfach feststellen. Das, um jeden Preis gefällig sein zu müssen gewiss nicht, darauf haben auch schon andere geschissen. Vielleicht wollen sie mit richtungsinstabilem Songwriting auch nur für maximale Verwirrung sorgen, wollen die Probanden, die sich dem Schalle aussetzen beobachten wie Labormäuse im Glaskasten, wollen sehen wie lange es braucht, bis sich alle gegenseitig an die Gurgel gehen. Vielleicht suchen sie nach Patentrechten  und Rezeptpflichtigkeit!
Unterm Strich lehnt Dying Dogma in allen Belangen zu weit aus dem Fenster, den gesuchten Anspruch werden viele nicht teilen, weil der musikalische Einstieg von außen doch relativ schwer ist. Das Konzept geht nicht wirklich auf, weil die Musik zu sehr nach innen gekehrt ist und phasenweise noch gnadenlos überfrachtet. Es ist nun nicht so, dass alles von schief nach schräg und jazzig durcheinander poltert und fiedelt, nein diesen Gang haben sie sich bewusst erspart. Nur hat der rote Faden, der sich durch das Labyrinth zieht zu viele Knoten, als dass er ohne weiteres wieder aufgerollt werden könnte. Dying Dogma wirkt stark unterkühlt und irgendwie feindseelig. 
6/10

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