Friday, November 22, 2013

VERMIN - Mind Control - Cd / Blacksmith Records



So, eine Dekade durch die teutonische Hölle gespukt, sich einem Subgenre verpflichtet gefühlt, dessen Verbreitung nicht eben prosperierend ist, der musikalische Reiz aber umso höher, und zum Jubiläum, zum zärtlichen Rüffel an die eigene Schulter gibt es ein neues Album, das sollet doch eine runde Sache sein. Quasi beschenken sich die Franken selbst, wer auch sonst sollte Präsente vorbei bringen. Torte und Blumen sind ja auch doof, wenn man im Gegenzug lediglich mit rüpelhaftem Musizieren antworten kann. Death´n Roll ist angesagt. Und wenn ich diesen Slogan im Ohr habe, besinne ich mich natürlich auf Wolverine Blues, da komme ich nicht umhin. Aber auch Crack Up´s grandioses 2000er Album Dead End Run sucht Platz in meinem nicht immer wirklich planvollen Erinnerungsvermögen. Beide unterscheiden sich wesentlich, gehen aber mit Groove und dreckiger Rockattitüde partnerschaftlich in den Feierabend.

Und nun steht da Mind Control und bemüht sich, die gleichen Synapsen noch mal funken zu lassen. Und auch diesmal klingt das Album anders, als das Genre es gern hätte. Nur dass leider der Groove kein Dauergast ist, die Band sich dafür lieber und ganz engagieret mit völlig „normalen“ Metal Themen beschäftigt, sich stilübergreifend an Speed, Thrash und Heavy bedient und die Sache mit dem Death Metal eher dem schön rauchigen Sound und der Stimme ihres Frontmanns überlässt. Streicht man das beides mal raus, bleibt ein standhaftes Grundgerüst purer Metal Musik über. Death´n Roll geht da im Grund schon anders. Entsprechende Nummern, die dem selbstgesteckten Ziel näher kommen, auch vereinzelte Punktlandungen schleichen sich trotzdem ein. Der Titeltrack ist so eine, rockt der die verqualmte Hütte doch mehr als testosteronschwanger durch. Auch Hypocrite Hero fungiert auf ähnlichem Niveau, hat einen mörderischen Drive und ein Soli das genau so verzerrt wie klassisch an die Wurzeln der Musik gemahnt. Und dann haben wir noch reichlich starkes musizieren über, da haben wir zum Beispiel Griffe auf der Leadgitarre, die nicht mal unbedingt nur im Metal Bestand hätten. Und wir werden mit Arrangements überhäuft, die den Ideenschatz der Musiker aus der Kiste kippen. Den von Geistesblitzen künstlerischer Art wimmelt es auf der Platte wie erotische Blutfantasien im Hirn von Dahmer und Co. Und wie der talentierte Berufsgestörte und Leichenproduzent Dahmer wollen VERMIN auch nur Spaß. Um diesen zu bekommen, strengen sie sich mächtig an und zeichen am Ende für ein Album mit hohem Unterhaltungswert verantwortlich, dass seiner eigentlichen Bezeichnung nur zum Teil gerecht wird. Ihre eigenwillige Art, ihre Lieblingsmusik zu interpretieren wird vielleicht nicht allerorts auf Gegenliebe stoßen, ihre Fähigkeiten aus losen Fäden, aus kantigen Akkorden und simplen Rhythmen ganz spezielle Stücke zu bauen, sollet aber bescheidenes Wohlwollen finden.

Für meinen nicht ganz stubenreinen Geschmack hätte es generell gern noch roher und direkter zugehen können, ich hätte auch mehr Tempo vertragen. Allein die Leadgitarre entschädigt aber für vermutet verpasstes. Frecher und rücksichtsloser, das hätte wahrlich gut getan. So steht am Hinterausgang ein stellenweise zu zahmes Produkt am Aschenbecher und lässt einige der besten Ansätze leichtfertig verrauchen. Auf Mind Control teilen sich ein paar echte Stampfer den begrenzten Platz mit einer Hand voll guter Nummern ohne tatsächlichen Wiedererkennungswert. Von den anfangs erwähnten Klassikern sieht VERMIN momentan nur die Rücklichter und ich meine mich zu entsinnen, dass sie da schon mal näher dran waren. Das Versöhnlichste was sie dann noch anbieten können, ist der über 8 minütige Testlauf eines nicht wirklich überladenen aber zu langen Rausschmeißers mit cooler und schräger  Einleitung, quasi ein akustischer Pedant für akute Zahnschmerzen . „Sick Reality“ ist die überlange Version eines Brechers, der dem Death Metal letztendlich doch sehr nahe kommt. Leider in seinem Mittelstück etwas zahnlos und zum Ende rockiger angepasst als nötig, oder aber intellektuell zu ansprechend für schlichte Gemüter. VERMIN wollen immer mehr, als andere es wahrhaben wollen, ich wohl auch. Nun gut, musikalisch haben sie den Kniff raus, und wenn es nicht nur um Allgemeinverträglichkeit geht, dann bin ich bereit, meinen imaginären Hut auf die Ablage zu legen. Etwas unentschlossen vielleicht aber in Anerkennung guter handgemachter Musik.
6/10

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