Thursday, December 12, 2013

ALEHAMMER - Barmageddon - Cd / Selfmadegod Records



Und auf ein Neues, denke ich mir, als die nächste Krawallkombo vor der Tür steht und ihre Praxiserfahrung in Sachen – Der sicherer Weg zur Leberzirrhose – musikalisch kundtut. Nur ist es diesmal nicht diese beschwingte und unbedarfte Art, dem Lieblingshobby der Metalstzene ein Denkmal zu setzen, sondern es handelt sich um einen wesentlich rüderen Weg. Wenn ich euch erzähle, wer hier alles Anteil hat, dann werdet ihr verstehen, warum die Musiker nicht anders konnten, als aus einem allseits lustigen Gelage eine überaus dreckige Tour der Force zu machen. Hinter dem Synonym ALEHAMMER verbergen sich ehemalige und aktuelle Veteranen alkoholischer Urwüchsigkeit, trinkfest gemacht bei; Prophecy Of Doom, Impulse Manslaughter, Extinction Of Mankind und Doom. Dass denen der Durst noch nicht vergangen ist, versuchen sie auf einer recht kurz geratenen Scheibe unter Beweis zu stellen. Anhören will es sich irgendwie nicht wie die überschäumende Party mit feiernden Gästen und lustigen Trinkspielen. Der Sound und die Musik wittern eher das Danach, den nächste Morgen. Unter Zuhilfenahme astreinen Crustcores zeichnen sie ein Bild vom Chaos nach dem Exzess. In Etwa als hätte man eine Nacht mit Malignant Tumour durchgesoffen. Wer das schon mal erlebt hat, vergisst das nie wieder.

Der Minimalakkorde – Terror der amerikanischen Dünnbiertrinkervereinigung stößt uns in die kalte, verrauchte Hölle eines üblen Katers. Mit dem Kopf im Klo, barfuß und lädiert erwacht das Grauen an eine verschwommene Nacht. Überall zwischen den auf dem Fußboden entleerten Aschenbechern liegen halbtote Gestalten. Jemand hat in den Ficus gepinkelt und die Gardine als Toilettenspülung missverstanden. Unzähliges, gläsernes Leergut tummelt sich vergessen in allen Ecken, einiges hat den Abend nicht heil überstanden. Hoffentlich stammt die Blutspur an der ehemals weißen Tapete nur von solch einem harmlosen Unfall. Ein volltrunkener Honk hat sich selbst zum  Innenarchitekt gekürt und Teile des Mobiliars in den Pool geschmissen. Die Schrankwand dümpelt in ruhigem Gewässer, gekrönt von der halbnackten, adipösen Nachbarin. Vereinzelt lunscht abgelegt Unterwäsche aus Sessel-, und Sofaritzen.  Pizzareste kleben der Schwerkraft trotzend an der Stuckdecke und der Eigentümer, der seinen Kopf wankend und schmerzend aus der Schüssel befreit, hofft inständig, dass es auch wirklich Pizza ist. Das elterliche Schlafzimmer ist immer noch von ineinander verkeilten Menschen okkupiert und ein seltsamer Geräuschpegel erhebt sich mittig des Bettes. Zu allem Überfluss hat sich die Kaffeemaschine auf dem Fliesenboden in der Küche zur Ruhe gelegt und wird nicht wieder in einem Stück aufwachen. Die Katze hat Walnussschalen unter den Füßen und hockt panischen Blickes im Kronleuchter. Vor der Tür steht der Nachbar mit den Ordnungshütern. Nicht wegen des Lärmes während der Nacht, sondern weil auf seinem Rasen ein Hausschwein und 5 Hühner angebunden sind, weil seine Frau nicht nach Hause gekommen ist und weil er selbst nur Buttermilch und grünen Tee trinkt. Das ist das definitive Barmageddon, es stinkt, es qualmt, es schmerzt und aufgeräumt ist auch nicht. Die Bar ist genau so leer wie der Schädel.

Wenn ihr euch etwas in der Art vor Augen haltet, dann wisst ihr wie sich die Musik von ALEHAMMER anfühlen kann. Das ist Crust und Punk mit einer Prise Old School Penetration und cooler Rockattitüde. Röhrend laut und extrem versifft, rumpelnd, krachend und scheppernd wie ein einstürzendes Hochregal voller verölter Motorteile. Es geht mit Mordsgeschwindigkeit ans Eingemachte, poltert im Nachklapp aber auch zurückhaltender. Das Metier beherrschen die Herren aus der Hüfte, da muss man denen nichts mehr vormachen. Die packen den Groove genau so sicher wie das aggressive und rücksichtslose Draufschlagen. Prägender sind dabei die schwereren Parts, die alles oberhalb des Halses leidvoll brummen lassen, weil sie der beschriebenen Szene näher sind als ein Fotoapparat das sein könnte. Das dann trotzdem keine Perle der gehobenen Kleinkunst in einem Berg aus muffelndem Unrat zu finden ist, liegt in der Natur der Sache. Aber authentisch ist das zu kurze Intermezzo zischen schalem Bier und warmem  Wodka allemal. Wer also Spaß daran hat, so zu erwachen, wem das zur Gewohnheit geworden ist, oder wer nach dem Schmerz wie ein Süchtiger sucht, wer morgens negative Stimmung braucht um das Feuerzeug zitteranfallfrei unter die Kippe zu halten, dem sei ALEHAMNER mit ihrer mehr als direkten Beschreibung einer Alkoholvergiftung wärmstens an die geschrottete Leber gelegt.

7/10

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