Tuesday, December 17, 2013

ARMAGEDON - Thanatology - Cd / Mystic Production



Eine Hand voll grimmiger Polen macht sich auf, uns das Grauen des Jüngsten Gerichts auf unsere unschuldigen Leiber zu prügeln. Und es spielt keine Rolle, ob ihre Absicht durch vakante Rechtschreibung missdeutet werden kann, am Ende aller Tage ist es völlig Rille, ob man den Bogen mit dem nervigen Buchstabensalat raus hat oder nicht. Was bis jetzt nicht so eindeutig ins Kreuzworträtsel passte, wurde schließlich auch nur enger zusammen geschrieben. Ihr wisst,  die teutonischen Pudding – Metaller Helloween hatten sich bekanntermaßen und bekennend ebenso vertan. Warum sollte es dem Polen besser gehen. Die Wurzeln der Band stammen ja immerhin noch aus Zeiten, als russisch 2. Amtssprache war. Das wiederum sollte bedeuten, dass sich hier wahre Langzeitrecken mit dem Erfahrungsschatz mehrerer Dekaden auf dem antikommunistischen Marsch gen Höllenschlund befinden, uns mit der ewigen Fackel des Totmetalls unsere Sünden auf den Arsch brennen und an allen Fronten stählerne Überzeugungskanonaden auf Breitseite in petto haben. Gut, von 94 – 06 war Grabesruhe um die Akteure, Luft hatte mehr Präsenz als ein auf Eis liegender Kreativitätswunsch. Aber tot zu sein ist auch anders … rein gefühlsmäßig, steif und kalt und so. Der Osteuropäer weiß sich jedoch zu konservieren und wenn die Destille durchgebrannt ist, der letzte Rest an leicht Entflammbarem aufgebraucht, wird es Zeit wieder Bewegung in die siechen Knochen zu pushen. Zeit Nachschub zu finanzieren! Also alles noch mal auf Anfang.  Auf ihrem neusten Machwerk, dem 2. nach der wundersamen Wiederauferstehung,  erzählen uns die todessüchtigen Endzeitapostel stilgetreu vom Sterben. Vom Streben und Forschen rund um den Tod. ARMAGEDON holen den Freudschen Todestrieb aus der Versenkung und hacken selbstzerstörerisch und etwas krampfhaft sinister einen Set in taube Ohren, der durchaus zu geteilter Meinung führen könnte

Anfänglich ist Irritation angesagt, wenn das Intro, seicht und nicht gänzlich definierbar beginnend, sich in einer Mischung aus John Carpenter Filmkomposition und doofen Elektrobeats aalt und eine Erwartungshaltung schürt, die Schlimmeres ahnen lässt. Daran schmuggelt die Band sich aber vorbei, zeigt uns den dreckigen Stinkefinger und macht schnell klar, woran ihnen eigentlich gelegen ist. Hätte man auch gleich drauf kommen können, natürlich spielen Polen, die sich ernst nehmen typisch polnischen Death Metal. Mit Drums die im Kreisverkehr wirbeln, mit Riffs, die an dunklere Zeiten erinnern und einer Pace die nur Vorwärtsmarsch zulässt, erfüllen sie sich selbst ihren Traum vom Polensturm. Zwischendrin immer mal wieder dicker und partiell langsamer gestaffelt, erhebt sich ein Stück nach dem anderen, aufgrund ihrer musikalischen Schwere um Anerkennung buhlend. Vereinzelt klingen sie erstaunlich harmonisch wieder aus, mit 4 akustischen Notenanschlägen in Schleife zum Beispiel. Mit dem Schreiben markenter Riffs kennen sie sich ganz gut aus, sie emotionaler zu präsentieren, wäre die Kür gewesen. Dafür schleicht sich zum Ende eine dezente melancholische Note ein und ich meine irgendwann mal eine Jungfrau hinter den Instrumenten jammern gehört zu haben. Das kann aber auch der Pfeifkessel auf dem Herd gewesen sein.

Kurzweil und trotzdem angepeilte Ernsthaftigkeit sind angesagt. 2 Komponenten, die sich nicht generell bekriegen müssen wie zerrüttete Assifamilien im Erbschaftsstreit um die letzte Tüte trockene Semmeln. Was aber auffällt, ist, dass die Band sehr angespannt erscheint, irgendwie mit verkrampften Backen südlich des Wohlstandsäquators musiziert. Sollten sie sich etwa zu ernst nehmen, zu viel Wert auf irgendwie künstlich forcierte Seriosität innerhalb des Death Metal legen? Sind die zornigen Minen der Zoll für Stücke, die am Ende gar nicht so innovativ sind, wie die  Musiker sich das anfänglich gedacht haben? Denn auch etwas anderes wird klar, an Professionalität mangelt es nicht. Wohl aber an dem Weitblick, aus dem Gesamtkonzept mehr zu machen, als lediglich ein straffes, ein souveränes Beispiel für den polierten Knüppel. Wie polnischer Blast und polnische Schwarzmalerei funktionieren, wissen wir auch ohne ARMAGEDON schon verdammt lange. Darin benötigt wahrlich keiner mehr Nachhilfe. Was mir an der Scheibe fehlt, ist der persönliche Antrieb, denn ich kann nichts finden, was sie so anders macht, als die Väter der eigenen Szene.  Thanatology“ ist fast zu sauber, um wirklich zu überzeugen. Und es ist viel zu nah an viel besseren Bands.

Aufgrund der kaum mangelnden Erfahrung bekommen wir zumindest ein Album geboten, das seine Stilmittel gern ausreizen möchte, mit technisch gesehen starker Präsenz trumpft und keineswegs billig erscheint. So bleibt abschließend versöhnlich anzumerken, auch wenn das mit der polnischen Extrem – Metal Legende eine Ente ist, die Musik hat generell alles was ihr euch von dermaßen lokal verwurzelt aufgestellten Bands erhoffen dürft.  

6/10

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