Friday, December 13, 2013

BLOOD I BLEED - LYCANTHROPHY - Split Mcd / Selfmadegod Records



Die Split aus dem Purgatorium des Punkchaos erschien bereits vor einem Jahr auf Bones Brigades. Wenn ich das richtig verstanden habe, wurde lediglich die Reihenfolge verändert. Was bleibt sind 18 Minuten totales Riffmassaker im Sekundentakt, sozusagen Atemlosigkeit mit geschwollener Halsschlagader und verdammt viel Wut im Bauch. Für den unbescholtenen Neuling und Hobbyamateur in Sachen Thrash-, oder Fastcore respektive Powerviolence sind zwischen BLOOD I BLEED aus Holland und LYCANTHROPHY aus Tschechien keine stilistischen Unterschiede zu finden. Wahrscheinlich merkt niemand, wann  der Set der einen aufhört und der der anderen beginnt, wenn nicht fleißig mitgezählt wird. Und auch da ist schnell der Knoten im System, so fix wie die Stücke runtergerotzt werden.

Musik mit dem Kopf gegen die Wand, mit Spaß? …vielleicht, mit Hass und Auflehnung gegen jeden und alles, definitiv! So viele blutig geschrubbt Finger an spröden Gitarrensaiten sind irgendwo schon bewundernswert, das Treiben möchte auch niemand unterbrechen, denn die rütteln sich wie in Trance durch ihre Nummern und könnten zuschnappen, wenn man sich unvorsichtig nähert. Ist wie beim Hundekampf, wenn die verpeilten Kläffer und ihre gaskranken Besitzer erst mal in eine Beißerei verwickelt sind, fasst besser niemand ungeschützt dazwischen. Lass sie sich doch ihre Stimmbänder ruinieren, sich heiser brüllen und kläffen, wenn irgendwann Seitenstechen und Luftknappheit einsetzen, wenn der Durst erkennt, wieviel Schweiß geflossen ist, dann pausieren die von ganz allein. Dann kann man immer noch fragen, ob es sinnvoll wäre, den Notarzt zu alarmieren, ober ob das Taxi lieber gleich zum Abdecker soll.

Fest steht, dass beide Bands, und alle Schreihälse beider Geschlechtsspezifizierungen mit vollem Körpereinsatz dabei sind, irgendwie auch Köpfchen einsetzen und ganz spezielle Spartenbedienung fabrizieren. Seit vielen Jahren übrigens, mit zahllosen Veröffentlichungen und nimmermüdem Enthusiasmus. Und dann wird der stinknormale Grindcore nahezu karikiert, dem gewöhnlichen Crustpunk das dreckige Fell rigoros über die Ohren gezogen und alle Ambitionen in die Geschwindigkeit gesteckt. So gehetzt wie die ihre disharmonischen Anklagen an das System raus brüllen, bleibt gar keine Zeit für tiefergehende kompositorische Strukturen. Die rammeln wie die Karnickel an ihren Songs herum, planen intellektuelle Unzurechnungsfähigkeit als Bestandteil der öffentlichen Meinung über sich selbst ein und stecken ihre Schwänze in Lichtgeschwindigkeit überall rein. Das geht dermaßen schnell, dass so manche Hose gar keine Chance hat, in die Kniekehle zu rutschen, bevor es los geht. Riff an Riff, zusammengeschlagen von kollabierenden Drums und sich ineinander verknotenden Bässen. Für ungeübte oder puritanische Menschen, für schreckhafte Geister und rationale Geschöpfe ist so ein Gemetzel an elektrischen Instrumenten purer Kulturschock. Lediglich jene, bei denen der Zug direkt durch die Wohnstube rast, bei denen Schlaflosigkeit zum guten Ton gehört, wo im Keller ganztägig ein eingepferchtes Wildgehege für ohrenbetäubende Strapazen sorgt, sollten Verständnis für derartig aus dem Ruder laufende Musik aufbringen. Also Familien mit Kleinkindern. Schmeißt die Rackert in den Ring und lasst die Spiele beginnen, nichts anderes fabrizieren beide Bands.

Dass sich daran Freude empfinden lässt, wenn das individuelle Lustzentrum mit genügend erheiternden Substanzen stimuliert ist, bleibt trotz des heftigen Durcheinanders an Tönen, Noten und Rhythmen unbestritten. Der komplette Fastcore – Kram kann nicht anders funktionieren als mit einem Maximum an durchgepfiffener Ausgelassenheit und einem überproportional ausgerastetem Quantum an Aggression. Den Fuß vom Gas zu nehmen ist gleichbedeutend mit bremsen, und das wäre unverzeihlich. Also bitte, wer sein schlichtes Gemüt spielerisch auf so viel explosive Zorneseruptionen einstellen kann, dessen zwischenmenschlichen Beziehungen sich auf Ficken und Ignorieren konzentrieren und wem es egal ist, ob Geräuschterror Langzeitfolgen für die kommenden Generationen haben könnte, der stürzt sich von mir aus in des Gekläffe und lässt sich genüsslich zerreißen.

7/10

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