Monday, December 2, 2013

DOWN AMONG THE DEAD MEN - Down Among The Dead Men - Cd / Cyclone Empire



Der Mann, dessen Tage mindestens doppelt so lange währen müssen als die Normalgeborener und Zeitigsterbender, hat´s mal wieder getan. Um die 20 Bands und Projekte müssen es sein, an die er federführend Noten und Beats verteilt. Schweden muss so langweilig sein Mr. Johansson!

Um den Tatsachen gerecht zu werden, will ich aber mal etwas zurück rudern. Ursprünglich ging eine Anfrage wegen eines Songs von Schweden nach Dänemark, von Johansson zu Ingram. Der tatsächliche Ausschlag, daraus mehr zu machen kam von ex – Bolt Thrower und Benediction Frontmann, quasi mit dem frankierten Rückumschlag. Und da der Schwede wohl noch so ein paar Tonnen an Ideen im Keller auf Halde hatte, war es ihn ein Leichtes, ein weiteres Türchen in seinem musikalischen Wüten zu öffnen. Wo andere schwitzen um sich was zusammen zu stricken, fällt das dem Knaben einfach aus dem Hosenbein. So wenigstens hat es den Anschein. Gut, die Musik ist sicher nicht kompliziert und hochansprucjhsvoll, trotzdem hält er Oberflächlichkeit und Langeweile immer aus seinen Geschichten raus, aber dazu gleich. Fakt ist, schon nach der ersten Runde im ungepolsterten Sattel mit DATDM wird deutlich, wie ernst den Herren der Spaß ist. Ingram sagt sogar, dass sie den Status als reines Projekt schnell zur Seite legen könnten und nächstes Jahr gern auf der Bühne stehen würden. Selbst neue Stücke gibt es schon. Und da sie Roggas´ Paganizer Drummer Dennis Blomberg hinter das Schepperkid gesetzt haben, steht der Livepräsentation nichts mehr im Wege.

Wichtiger Aspekt von DOWN AMONG THE DEAD MEN ist die Griffigkeit jedes einzelnen Songs. Bloß keinen Riffoverkill, keine komplizierten Strukturen und technischen Firlefanz. Keine Intros, Outros, Interludes und Geflitter, nur die pure Essenz geschmolzenen Bleis. Mit voller Absicht halten sie das Album auf das nötigste beschränkt. Es fängt brüllend und knarzig an und hört ebenso auf. Wie ein Güterzug, der auf seiner stählernen Piste am unbeschrankten Bahnübergang über einen Schulbus hinweg donnert und ohne zu bremsen wieder hinterm Horizont verschwindet. Stumpf nennt man Musik, die so unprätentiös und wenig sensibel nur eine Marschrichtung kennt. Mit dem Sturschädel durch die dicksten Wände! Dass das wieder Erfolg haben könnte, liegt aber nicht nur an der omnipotenten Anwesenheit eines einzelnen Schweden oder der Popularität eines Wahldänen. Es hat vielmehr damit zu tun, dass so ein Album mehr Aussagekraft und Inhalt hat, als alle aufgeplusterten und hypermodernen Veröffentlichungen von krakelenden, postmodernen Death Metal Rotzern. Es geht darum, mit Gewalt die Faust auf´s Zifferblatt zu schwingen, nicht aber feingeistig, hochkünstlerisch oder einfach nur überproportioniert nach den Sternen zu greifen. Das hat einst schon Speckmann gewusst und gelehrt, und dass wissen auch die Brüder im Geiste hier. Das mag eine überspitzt subjektive Betrachtungsweise sein, hier jedoch ist sie von Erfahrung und Können untermauert. Johansson liegt das im geronnen Blut, Ingram ebenso und so muss sich keiner wundern, dass es am Ende eine skandinavische Bolt Thrower Version gibt, die viel mehr auf Punk und Crust baut, als ich es den beiden zugetraut hätte. Jeder Song ist kurz und einfach konstruiert, die Leadgitarre bekommt immer mal die hehre Aufgabe, die Stücke mit würzigen Solis zu überlagern, die trockene Patina darunter ist ein minimiertes Riff und Akkorde Massaker, wie es niemand sonst dermaßen präzise auf den Punkt bringen kann. 3 oder 4 Griffe auf der Gitarre reichen, um daraus 2 oder3  Minuten Mucke zu machen und den Punk trotzdem nach Death Metal klingen zu lassen. Das geht natürlich nur mit einem Sound, der so herrlich fett klingt, schwartendickes Gitarrensägen ins Zentrum stellt. Zusammengehalten wird das Gespinst von Ingrams markanter Röhre, die perfekt zu einer Musik passt, die ein Übermaß an Noten genauso verabscheut wie gebrochene Finger über zu vielen Saiten. Das einzig akzeptierte Regime ist das des groben Knüppels und das vertreten die Produzenten mit voller Überzeugung. Ingram sagte in einem Interview für metalnews.de „Ich habe die Schnauze gründlich voll von Bands, die Songs spielen, die ein einziger „Riff-Salat“ sind, und die nichts unternehmen, um das Interesse der Leute zu wecken.“ Also verstehe ich das aktuelle Unterfangen als Gegenbewegung und als Bestätigung für all jene, die ihre eigene Musik genauso ausrichten. Und wer nach Bauchgefühl in diesem Sinne agiert, der sollte sich unter den Toten pudelwohl fühlen.

8/10

No comments:

Post a Comment