Tuesday, December 3, 2013

PUTREFACT - Of Those Who Were Deceased - Ep / Pulverised Records



Da drüben im Mexikanischen hat jemand das Friedhofstor aufgelassen. Frische Drogenleichen und rotte Matschkadaver wandeln nun durch gottesfürchtige Vororte und kotzen vor jeder Haustür auf kleine Marienstatuen. Widerliches Stöhnen und Schlurfen erfüllt die brütende Mittagshitze. Menschen laufen kreischend und panisch wie aufgeschreckte Lemminge durcheinander und werden dennoch Futter von  zahndezimierten Kiefern und klauenartigen Händen, die seit vielen Monden keine Maniküre mehr erfahren haben In vorderster Front schleppen sich 3 Untote über staubtrockenen Wüstenboden und irgendwer (vorzugsweise besorgte Mütter) hat fürsorglich ihre Namen auf ihre Brottaschen gestickt, falls sie verloren gehen oder wegen des Essengeldes von Rabauken geklaut werden. Die 3 tragen verheißungsvolle und fröhlich alberne Selbstbezichtigungen, die bei späterer Belangung wegen Störung der Totenruhe und damit verbundener  Identifikation eine Verwechslung unwahrscheinlich machen. Hugoreincarnation, Exxxecutioner und Nekrodekapitator. Das ist so doof, dass das fiese Trio sich jeden Abend in den Schlaf lacht.

Und meiner war damit vorbei, halb weinend, halb lächelnd bin ich ob dieser abstrusen Szene aufgewacht. Was geblieben ist, sind die Namen. Und im Hinterkopf auch, warum die sich ursprünglich aus der kühlen Gruft unter die im Zenit stehende Sonne gewagt haben. Um primitiven und minimalistischen Old School Brei vor die Hütte zu scheißen. Da ich weiß, wo die eigentliche Bestimmung des polternden Dreigestirns liegt, erstaunt es mich in gewisser Weise doch, wofür sie sich diesmal entschieden haben. Da mir aber auch klar ist, dass sie Vielmusiker sind, war es andererseits nur eine Frage der Zeit, bis sie sich auch das Genre des morbiden Totenacker – Umwühlens vor den krummen Lauf pinnen. Bekannter ist die Riege nämlich als Disgorge und somit für extrem brutales Geschmacksbombardement. Da erwartet man nun nicht unbedingt Gruselmucke à la  Autopsy, Impetigo und ollen Schwedenkram. Aber das ist deren neues Ding, wenn es auch nur 10 Minuten und 2 Songs lang währt … diesmal. Drohungen sollte man nicht immer so ernst nehmen, auch hier könnte der Bombenalarm eine Ente sein. Allein schon wegen der Vocals, die überlagern mit ihren schleimigen Gegifte gern mal die Instrumente und ziehen alle Aufmerksamkeit auf sich. Das Echo dringt noch aus der tiefsten Nekropole an die Oberfläche. Schamlos übertrieben möchte man meinen, es sei denn, die Absicht dahinter hat wirklich was mit Reinkarnation zu tun, so wie und Hugo  Ich komm wieder als Kehlkopfonkologe leidgeplagt vorstöhnt. Denn solcherart verbale Schmerzenslaute wecken noch jeden Verblichenen, auch wenn er im Nachhinein nur aufgestanden ist, um mehr Abstand zu gewinnen, weil die angegammelten Ohren klingeln.  Den Musikern ist das so egal wie Schokostreusel auf Grünkohl, die hauen in die Felle und Saiten oder lahmen in Slow-Motion durch den kurzen Set, immer der Frage hinterher, wie es sich am besten stirbt. Düstere Atmosphäre aus der Dämmerung des schlechten Geschmacks ist das Banner unter dem sie ihren holprigen Feldzug ausführen. Gar schröckliche Horrorleads der Aufhänger für makabere Geschichten. Stories, die den Tall Man noch blasser wirken lassen. Und wildes Gebretter ist der Kleister der das Vehikel gerade so zusammen hält. Innovativ ist das alles nicht. Will sagen, das ist alles schon längst abgegrast und zertrampelt, ausgelutscht und letztendlich in der mexikanischen Version dann irgendwie zu billig. Nicht dass es keinen Spaß machen würde, für einen kurzen Donner reicht das allemal. Wofür es nicht reichen wird, ist Nachhaltigkeit, dafür gibt es definitiv bessres. Ich hielte es für weiser, bei dem zu bleiben wofür sie wirklich geschaffen sind. Sich ein paar Eingeweide auf Cover zu klatschen und darüber zu zürnen und zu wüten, zu brüllen und im Höllentempo die Anlage zu schrotten, denn als Disgorge sind sie wirklich eine Macht. Nicht jede Hochzeit ist ein Fest, dass betanzt werden muss. Und da die Herren mit den prägnanten Namen bereits im brutalen Death Metal, Black Metal, Gore und anarchischem Grind ganz gute Bilder malen, braucht es jetzt nicht auch noch den Revivalgedanken. Daran beteiligen sich eh schon zu viele.

Wer nun aber das Bedürfnis hat, seine Kiste Aldi Bier auf einem unbewachten Friedhof auszusaufen, wer die schlichten und kantigen Töne als Abendunterhaltung bevorzugt, wer Nebelbankatmosphäre braucht, um den Schwanz aus der Hose zu holen, der wird mit diesem halben Intermezzo sicher keine größeren Probleme bekommen. Wenn ihr gerade mal nichts essentielles auf der Platte habt, dann in Gottes Namen, versaut euch ruhig euer Date mit der Aufblasbaren! Kann am Ende doch auch ganz lustig werden.

6/10

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