Monday, December 16, 2013

SATANIC MALFUNCTIONS - Them - Cd / Selfmadegod Records



Kriegen Punks die Midlife – Crisis? Oder wachsen sie vielleicht darüber hinaus und sehen sich gestärkt um es den Asseln in ihren Kellern noch mal so richtig zu besorgen? Was treibt eine Band dazu, nach über 20 Jahren noch mal laut und verzweifelt nach Liebe zu schreien? Ist da eine teuflische Fehlfunktion im Spiel oder glaubt die aus dem Vereinigten Königreich stammende Band wirklich, der Königin das Amüsement rauben zu können, wenn sie gealtert und gebeugt noch mal eine Revolution der Jugend vom Zaun brechen? Was auch immer der Antrieb von SATANIC MALFUNCTIONS sein mag, sie sind wieder da und wollen den Rost von ihrer eingemotteten Karriere raspeln, einer Karriere die in Schuppen und Verschlägen der 80er stattfand und mit dem letzten, 1990 erschienenen Album wahrscheinlich schon tot war. Mit „Them“ stehen sie heute nun genau so da wie mit „Disgrace To Huimanity“ einst. Die Musik ist ein Produkt einer vergangenen Zeit, aus der sich einst zum Beispiel Bands wie Napalm Death und ENT erhoben haben, um ihren eigenen radikaleren Weg zu gehen. Das haben SATANIC MALFUNCTIONS wohl nie vorgehabt, weshalb sie immer noch eine der räudigsten und erdigsten Formen des Punks von sich schütteln. Noch heute stehen sie den Sex Pistols wahrscheinlich näher als Crust und D – Beat. Und warum? Nur weil sie so klingen wollen, weil ihre Kompositionen lieber bewusst in der Vergangenheit verwurzelt sind? Oder weil sie den Bogen zu einer noch intensiveren Variante des 3 Akkorde – Massakers nicht gehen können oder wollen. Oder weil sie die Nähe zum Metal, die damit verbunden wäre so sehr missachten? Am eheste wohl, weil auch ein Punk nostalgisch werden kann und der goldenen Ära der Jugend nachtrauert.

Klar ist, dass „Them“ unglaublich direkt und billig ist, in der Natur der Dinge liegt auch, dass die Stücke kaum aufregend oder tiefgründig den wachen Verstand in Anspruch nehmen. Herauszuziehen wäre da nicht ein Stück, jedes scheppert sich durch ein kurzes Auf und Ab, erfüllt alles was man sich eben so von Punk verspricht, ohne mehr zu erwarten. Strampeln und pöbeln bis die Bude brennt, ordentlich den Bass knattern lassen und von der Klampfe nicht mehr erwarten als eine profane Grundmelodie, bestehend aus wenigen sich ständig wiederholenden Anschlägen. Das ist das einzige Prinzip, nachdem die Band ganz 80th – like Krawall schlägt. Krawall, der von einem Sänger, der den Ultrafast – Hardcore Punk propagiert mit versoffenem Organ in die Atmosphäre genölt wird. Sehr sonor und nur bedingt emotional, gewöhnlich halt.  Und Superfast – Hardcore geht, so glaube ich zumindest, sowieso anders. Denn auch wenn das Tempo flott ist, überschaubar und schnell langweilig trifft es eher. Viel zu wenig Chaos für eine viel zu aufgeblasene Hose.

Funktionieren wird das Album sicher bei Punks, die ohnehin ungern differenzieren, Hauptsache aus irgendeinem Loch dringt Lärm, der feuchten Putz ab einem gewissen Geräuschpegel von der Wand löst. Hauptsache es gibt einen Grund, eine Kiste Bier zu köpfen und Klebstoff in die Tüte zu kippen. Ja, das ist oberflächlich und klischeebehaftet, vollkommen klar. Aber genau danach klingt das aus den Wirren eines Wurmlochs gestoßenen Album. Eines das krampfhaft an einer Epoche festhält, in der es noch aufregend war, anders zu sein. Als Punks und diverse weitere  Randgestalten eines auf Profit und Macht ausgerichteten Systems den Aufstand probten … und doch irgendwie niemand entscheidenden erreichten. Unangepasst, dass sind sie immer noch, aber auch hier hätte ich keine differente Aussage erwartet. Die haben einfach die letzten 2 Dekaden verpennt, verknifft, versoffen, verschnüffelt … oder sind nach langjährigen und unglücklichen Ehen wieder auf dem Markt. Irgendwas hat sie aus der Totenstarre gerissen und ihnen ihre abgegriffenen Instrumente in die steifen Finger gedrückt. Irgendwo den Button mit dem Go gefunden und drauf gewummert. So wie sie sich vor einem gefühlten Menschenleben ins Vergessen verabschiedet haben, so räkeln sie heute ihre müden Glieder und zelebrieren den gleichen Zinnober erneut. Ihnen muss entgangen sein, dass inzwischen viel passiert ist. Solche Ignoranten – obwohl manch einer nach der Parteilichkeit wahrer Ignoranz fragen wird … zurecht?

5/10

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