Monday, December 30, 2013

SIX BREW BANTHA - SUFFERING MIND - Split 7 / Halo Of Flies




Schon Karl Marx wusste, dass Krisen kommen und gehen, dass der Kapitalismus ein Arschloch ist und wie das System aus wissenschaftlicher Sicht funktioniert. Was er glaub ich noch nicht so auf dem Schirm hatte, war die Rolle der  Banken. Aber er war sich sicher, dass das Prinzip sozialfeindlicher Ausbeutung irgendwann seine historische Rolle im Weltengetriebe abzugeben hat. Mir wurde das in der Schule als unweigerliche  Gesetzmäßigkeit eingebläut, wie Ebbe und Flut und, dass Scheiße immer den Berg runter rollt. Dabei muss der Kapitalist als Individuum nicht mal unsozial sein, wenn er bereit ist Verantwortung zu übernehmen und am Markt auf Gewinn um jeden Preis verzichten kann. Beispiele dafür gibt es reichlich. Funktioniert auch, wenn eine Firma den einzigen Spielball über den Rasen kickt. Sobald aber, und das trifft fast immer zu, die Konkurrenz mitspielt, bleibt nichts anderes übrig, als darauf zu reagieren. Lohnkostendumping, Produktionsverlagerung oder finanziellem Selbstmord. So oder so, der Verlierer bleibt stets der Konsument, da er das Gefühl hat, immer zu wenig Scheine im Rindslederimitat mit sich herum zu schleppen. Einziger All-Time Gewinner ist der Finanzsektor, der sich die Milliarden in die prallen Kissen stopft, mit den Pfennigen der Anleger Spielchen spielt, Altersrücklagen lachend gegen die Wand fährt und sich das Geld dann aus dem Steuertopf zurück holt. Ist bekanntlich ein legitimes Mittel, müssen wir uns nicht drüberr aufregen, zumal wir wieder jene Leute am Bundesstart haben, die das ohne mit der Wimper zu zucken abgesegnet haben. Und die neue Regierungsbeteiligung wird das, sollte so eine Entscheidung noch mal anstehen, auch wieder mittragen, wahrscheinlich nach öffentlichem Erstprotest für den Populismus. Marx sinnierte einst, ein Gespenst ginge um und er war sich sicher, auf welchen Namen es hörte, ich gebe ihm heute einen anderen und nenne es Rendite, oder aber das Gespenst des Wachstums. Eines Wachstums, der uns immer als zwingend erforderlich vorgegaukelt wird und doch nur dazu da ist, mit Freistilzinsen und undurchsichtiger Deregulierung künstlicher Märkte für maximale Gewinne an der Zockerbörse zu sorgen.

Und wie packt man den Parasit nun an den Eiern? Mit ideologische Blauäugigkeit, mit politischen und leicht zu korrumpierenden Mitteln, mit revolutionären Phrasen oder aber Dingen, die den Verfassungsschutz unruhig machen? Oder glauben wir an Marx und müssen den ganzen Quark einfach nur aussitzen. Ich weiß nicht, ist alles schon mal schief gegangen. Aber was immer geht, ist seinen eigenen Unwillen laut in die Welt zu schreien. Da gibt es Klientele die dafür prädestiniert sind und in der Regel nicht massentauglich sind, auch nicht sein wollen. Zu einem von diesen fühlen sich SIX BREW BANTHA als auch SUFFERING MIND  - hingezogen. 2 Bands die mit aufrührerischen Stoßgebeten, die eine nicht unbedingt herzerwährmend musikalische 7er füllen. Die krawallen viel lieber mit schlichten, lauten und chaotischen Grindnummern. Auf der authentischen Basis einer vergangenen Zeit, als der Grind noch viel näher am Punk und seiner wenig zukunftsorientierten Attitüde dran war, als er das heute selbst von sich glaubt. Also, beide Bands, einst ideologisch getrennt durch konkurrierende Systeme (aber Geschichte wird bekanntlich ständig geschrieben) üben den kämpferischen Schulterschluss, tragen ihre kanadische wie polnische Vorstellung von Musik als Kakophonie inklusive linken Gedankengutes zusammen. Neue Erkenntnisse sind daraus nicht zugewinnen, auch mangelt es an echter Überzeugungskraft. Wichtig scheint nur, die ganz grobe Keule zu schwingen, mit Geschwindigkeit nicht zu geizen und aus wenig nur unbedeutend mehr zu machen. Klar macht es auch irgendwie Spaß, wenn Akteure ungezwungen und absichtlich ihre Instrumente zerlegen. Wenn Gewalt in der musikalischen Aussage im Fokus steht, wenn es scheppert, als wären wir mitten drin im Tanz mit dem letzten Asteroiden. Und vieleicht wollen die Bands das auch so verstanden wissen. Der Kapitalismus ist nur mit lärmendem Getöse zu beseitigen, ganz egal wenn dann auch apokalyptische Stilmittel beteiligt sind, Hauptsache der Gesetzmäßigkeit wird Tribut gezollt. Und dafür strengen sich beide an. SUFFERING MIND irgendwie mit mehr Druck, die kanadischen Kumpels aber mit dem Vorteil der unbedarften Hektik nervösen Songwritings. Es gibt am Ende keinen wirklichen Grund, sich gerade diesen kleinen schwarzen Vinylbastard ins Regal zu schieben. Er ist genauso gut und genau so schlecht definitiv aber genau so ehrlich wie viele seiner Gesinnungsgenossen. Grindcore ohne spürbare Ambitionen eigenständig zu funktionieren, das ist die Quintessenz aus der Geschichte, und tatsächlich verwerflich ist das nicht. Das basiert viel mehr auf der Entscheidungsfreiheit, ausgekautes mit Lust zu kneten, zu prügeln und wieder auszukotzen. Genau genommen hat so was Aussagekraft genug. Macht von mir aus was ihr wollt, kauft es, klaut es, stellt euren Kaffeebecher drauf oder verjagt damit die Spatzen vom Gartenzaun.

6/10

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