Tuesday, December 31, 2013

WHITEMARE - Screamer - Ep / Riot House Records



Turbonegro, Peter Pan Speedrock, Malignant Tumour und Motörhead – rühr das alles in die Bowle und erinnere dich an die Geschichten deiner Eltern, respektive Großeltern über die guten alten Zeiten des Rock´n Roll in den 50ern. Dann nimm die Unverfrorenheit und die auch nicht so seltene Ziellosigkeit des Punk, und du merkst schnell, welch erfrischend sorglose und auch recht zornige Musik du vorgesetzt bekommst, wenn sich WHITEMARE aus UK in deinen 4 Wänden breit machen. Viel mehr gibt es dazu nicht zu erfinden, sind lediglich kernige Rocker mit ideologischem Iro und Lust auf Wortspiele. Der Bandname verdeutlicht das schon irgendwie mit dem vor blauen Augen schwebendem Zaunpfahl. Nach eigener Aussage suchen sie in ihrem musikalischen Konglomerat auch die Nähe zum Metal, das aber gelingt ihnen nicht. Ist auch überhaupt nicht schlimm oder negativ einflußnehmend. Denn im Grunde sind die Stücke, die sie auf ihre neue Ep gezerrt haben alle mit Erfolg aus der Petticoat Ära gerissen und mit der Drahtbürste kantig gemacht worden, ohne dass irgendwelche zusätzlichen Elemente fehlen würden. Also Metal muss da gar nicht mehr unbedingt rein. Viel mehr drängen sich da zusätzlich Southern Rock Elemente auf, in gewisser Weise das Gefühl, jemand hätte einen besoffenen Schwarzbrenner aus dem Bayou geholt, der seine vollgedröhnte Version von Freiheit im Sumpf des eigenen Lebens vertritt. So zu hören in „Deadbeat Street“, wenn das Delirium zum Ende den gestandenen Rock in die metaphorische Dreckpfütze tritt und einen Sound ganz im Sinne des zottelbärtige Seasick Steve hinlegt. Außerdem schwelgt die Band in irrwitzigen Fantasien, machen aus dem Blues eine Einladung für Metallica in der Küche des Sängers zu spielen, so gehört in „Metallicaz Playing At My House“.
Selbst ein Klavier, dass mit dem Spirit von Jerry Lee Lewis kokettiert darf nicht fehlen (Scene-agers) und der Anfang der viel zu kurzen Unterhaltungsrille macht durch seine zurückhaltende Art und seinen musikalischen Stil Querverbindungen zu CCR auf. Die hält natürlich nicht lange, weil WHITEMARE nicht anders können, als sich mit heiserer Kehle und überbordender Rockattitüde voll ins Zeug zu legen, quasi die ruhigen Momente nur als Tarnung für fein konstruierten Radau benutzen. Genau betrachtet klauen sie sich ihren Set einfach zusammen, so viele Einflüsse, die so ungefiltert wieder an die Oberfläche treiben, habe ich bei einer Band selten gehört. Ist halt alles nur ein paar Töne roher und auch irgendwo dreckiger. Der Punk in Graceland sucht nach seiner Berechtigung. Und findet sich vor allem im Organ des Frontmanns wider, das durch seine heisere und schrille gehetzte Art über die ungewollte Angepasstheit der Musik spielend hinwegtäuscht.
 
Auf ein etwas ungesundes Marschtempo fokussiert sich die Band wie bereits angedeutet umgehend, nach einer fälschlicherweise als sanft empfundenen Einleitung. Von sich selbst behaupten sie, die schnellste Band in der Stadt zu sein. Das lässt sich von hier aus  nicht beweisen, wollte man das aber an der Kürze der Lieder messen wollen, dann spräche man ihnen schnell Recht zu. Bis auf die letzte Nummer „Run Away From The Cops“ das von Polizeisirenen und Straßenrevoluzzerfeeling begleitet wird und der einzige echte Punksong auf der Mini ist, erreicht keine andere Tonfolge die 2 Minuten Schwelle. Und das liegt nicht daran, dass die Ideen vertrocknen wie die Feuchtigkeit einer frigiden Frauenrechtlerin, sondern dass die Zeit ausreicht, um alles zu sagen und zu spielen, was nötig ist. Wenn dann mal Schnörkel und andere tonale Ausschmückungen eingebaut werden, sind das Gimmicks, die ein Lächeln auf das Gesicht zaubern sollen, aber auf keinen Fall das Regiment übernehmen. Unterm Strich zappelt das Werk mal aggressiver und rüder, dann wieder eingängig und mit so viel bekannten Seitenhieben, dass man trotz des Ideenklaues nie böse sein kann.  Inwieweit ihr WHITEMARE ernst nehmen wollt, müsst ihr schon selbst heraus finden. Für einen kurzweiligen Unterhaltungstornado reicht das definitiv. Wem sollte es keine Freude bereiten wollen, Rock, Blues, Southern und Punk mit Schmackes in einen Shaker zu kippen und dann den Rausch zu genießen?

Möglich, dass sogar Elvis auf seiner Insel daran Spaß hat und sich lächelnd im Schaukelstuhl zurück lehnt, den Blick abwesend über den Strand gerichtet und zu Joplin sagt, „Scheiße Alte, aus meinen Eiern wachsen immer noch wütende und durstige Küken, ist das nicht geil!“  

8/10

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