Friday, January 17, 2014

BANISHER - Scarcity - Cd / Unquiet Records



Wissen entsteht meist durch Experimentieren. Ob es im Nachhinein aber immer zuträglich ist, neue Erkenntnisse mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln und unter Vernachlässigung des „normalen“ Verstandes halbwegs aufrecht schwankender Zweifüßler  zu gewinnen, bleibt zumindest eine vage Unbekannte. Mary Shelly hat ihren Dr. F auch einfach machen lassen, hat ihn mit dem buckligen Fritz Gehängte vom Ast schneiden und frisch Verblichene aus lieblos zusammengenagelten Kiefernkisten, verbuddelt  auf sinisteren Friedhöfen, wegschleppen lassen. Ein paar Tage Schnippschnarap, ein provozierter Überspannungsschaden im Reanimationsreaktor und zack stand der untote Flickenteppich mit dem Kastenkopf auf dem Flokati. Was später daraus wurde, und dass so eine Geschichte auch noch Moralvorstellungen verkauft, ist bekannt. Ob der gute Doktor sein Forschungsstreben nicht lieber in die plastische Chirurgie hätte stecken sollen, bevor er einen emotionsgebremsten Fleischberg auf kleine Mädchen loslässt, hätte sein Verantwortungsgefühl ihm flüstern müssen. Aber gut, shit happens. Biertischschlaue Hobbyintelligenzler propagieren gern, „Probieren geht über studieren.“, ein Prinzip das dem Planeten angeblich alle möglichen Annehmlichkeiten und viel, viel Fortschritt gebracht hat, bis hin zu verseuchten Meeren, holzfreien Urwäldern, winterresistenten Arktisregionen und Feinstaub im Oberstübchen. So ist das, wenn man auf Knöpfe drückt, deren Funktion niemand Lebendes mehr kennt. 

Ebendiesen Jagdschein haben BANISHER aus Polen in der Bewerbungsmappe. Die Band wütet mit purem Aktionismus ziemlich freigeistig durch das Genre des Death Metal und hebelt einige vertraute und gewohnte Fixpunkten aus dem Boden, gräbt konventionelles aus und pflanzt wildes Stückwerk in der Hoffnung auf einen sprießenden Keim. Technisch sehr bemüht, progressiv gesteuert, teilweise noch straight brutal, dann aber doch wieder sperrig, häufig modern, wenig klassisch (abgesehen von den Solis) und bei den vokalen Leistungen in diversen Tiergehegen zu Hause, so ungefähr stellt sich das neue Album der Band dar. Es schöpft den Rahm von mehreren Genresickergruben, fällt manches mal auch unverhofft hinein und paddelt häufig desorientiert gegen den Strom. Das Handwerk im Einzelnen beherrschen die Knaben schon, aber ich vermute den roten Faden fühlen sie nur selbst, und die Wirkung nach außen ist denen ebenso gleichgültig. wie der Fakt, dass lila Kühe keine lila Milch geben. Die Songs legen immer wieder abrupte Kehrtwendungen hin, bleiben nur deswegen eingängig, weil sie bestrebt sind, den brutalen Fokus festzuhalten. Also, hier schwitzen polnische Kameraden im Sud ihres experimentellen Angesichts, suchen bei sich selbst gesteigerten Anspruch und setzen das bei ihrem Publikum voraus. Um Komplexität bemühte und häufig auch erreichte Kompositionen streben nach Gefälligkeit, locken uns immer wieder mit catchy Passagen und semmeln dann im ungünstigsten Moment mit progressiven Stimmungsbremsen. Die setzen sich die Messlatte selbst ziemlich gen Firmament und hüpfen anschließend auch mal darunter durch. Warum sie bei all dem auf kompliziert gestrickten Songwriting aber unbedingt die Titelmelodie des tittengeilen Britten Benny Hill auf die E-Gitarre bringen mussten, erschließt sich mir nicht. Karikiert das nicht die eindeutige Absichtserklärung der Band, moderne Musik, die größtenteils von Disharmonien verschont bleibt (wenigstens in die Pfütze sind sie nicht gelatscht) auf ein Level zu heben, das mehr als nur den eigenen Ansprüchen genügt? Dann nehmen die sich wohl doch nicht zu ernst und betrachten ihr experimentelles Notenmeißeln als eine Art Gruppentherapie für metallisch Unausgelastete?
Anzumerken bleibt, dass sie
 den Faden zum Death Metal im ursprünglichen Sinne nicht verloren haben, da gibt es Kandidaten, die es wahrlich wilder treiben. Bauteile wie markante Riffs, Grooves und eine beeindruckend präzise Schießbude stimmen versöhnlich, verwirren gelichzeitig aber auch, da nicht deutlich wird, aus welcher Richtung der Wind weht. Von berauschend harmonisch, über relativ gewöhnlich bis zum kompletten Informationsstau deckt die Truppe ihr Repertoire ab, musiziert mit gestandenem Talent und ist sich nicht zu schade, auch mal falsche Abzweigungen zu nehmen, nur um zu gucken, was dabei raus kommt. Ich für meinen Teil kann mir derart nicht ständig anhören, dafür tickt meine Uhr viel zu wertestabil. Um jedoch zu würdigen, was die Typen aus den östlichen Pampanei wagen, gebe ich eine höhere Wertung, als ich es eigentlich will. Beachte; Das Monster lauert überall!


7/10

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