Wednesday, January 29, 2014

CHURCH OF DISGUST - Unworldly Summoning - Cd / Memento Mori



In der real existierenden Hektik gibt es sie immer noch, die Vögel, die sich morgens keinen Kaffee zwischen Tür und Angel rein hetzen, sondern mittags den aufgewärmten von Gestern mit 2 zusätzlichen Valium schlürfen. Typen, denen die Anforderungen der Moderne piepegal sind, die auf einem Planeten leben, der in einer niemals kongruenten Umlaufbahn zu unserem verseuchten Resterampenparadies seine Bahnen zieht. Leute die heute noch im Vorgestern leben und auch noch stolz sind. Unverschämtheit so was. Dass sind die, die sich durch die Schatten der Gesellschaft bewegen, die nie auffallen weil sie so angesehen und produktiv sind, deren Fehlen aber sofort bemerkt wird, weil im Büro die Aschenbecher überquellen und weil plötzlich keine Straßennutten mehr in Müllcontainern gefunden werden. Sie sind die Cleaner, die aus dem Verborgenen arbeiten. Die keine modernen Putzmittel brauchen um zu beweisen, wie effektiv sie sind. 

Oder das von sich annehmen. Zu dieser Kategorie drolliger, gestörter Mitmenschen hinter den Reihen des Establishments gehören auch diese 2 seltsam drein blickenden Herren von CHURCH OF DISGUST. Und genau wie vermutet, kommt deren Musik aus einer Epoche, als noch niemand darauf hinweisen musste, wie die Rasierklinge korrekt über das Handgelenk geführt wird. Zur Not wurde damals eben noch mit angepackt. Auch in punkto musikalischer Umrahmung zum lange geplanten Suizid. So nämlich klingt das, was CHURCH OF DISGUST da in ihrem dunklen und feuchten Keller zusammen gebraut haben. Death / Doom nach finnischem Vorbild aus den 90ern. So in etwa. Es gibt auch heimische Kapellen, die sich da einreihen können. Ach ja, die beiden sind Texaner. Und so düster und roh wie die ihre Instrumente bearbeiten, wohl nicht sonderlich stolz darauf. Von Patriotismus kündet das Album jedenfalls nicht. Viel mehr vom Vergehen und Hoffnungslosigkeit. Dazu sägen zähe Riffs äußerst unschön immens schwere Stücke auseinander. So enthusiastisch, dass es manchmal wenig durchdacht erscheint, billig klingt und einen Sound protegiert, der nach Kartoffelkorbunfall auf der Kellertreppe klingt. Filigran und bis zu Ende gedacht ist definitiv was andres, und auch nicht das Geschäft des nihilistischen Doppels. Viel lieber ziehen die die melancholische Trumpfkarte und verarbeiten in ihren Stücken authentisches Friedhofsgebrabbel. So nach dem Motto, lass mal gucken wer hier noch verrottet. Innovativ sind die mit ihren Schinken wohl eher nicht, sehr geschickt in der Präsentation auch nicht. Zudem sind die Vocals so monoton und gefühllos, dass sich das Rasiermesser besser schon mal selbst schärft. Bar jeglicher Emotionen (außer dauernder sauertöpfischer Traurigkeit) schleppt sich das Album behäbig voran. Immer mal fetzen längst zu Mus zerkochte Riffs über den Set und machen der Truppe mal Feuer unterm Kessel. Das sind zumeist aber nur kurze, sauerstoffarme Flämmchen, die sich von der Schwergewichtigkeit des Restes schnell löschen lassen. Wem also so was zu passe kommt, das Leben keinen Sinn mehr macht, weil das Glas immer nur halb leer erscheint, die Brühe ohnehin ständig schal wird, wer mehr Zeit übrig hat, als die Lebensuhr Platz, der kann sich die Rille gern an den Haken hängen. Und sich selbst gleich daneben. Wer auf schlechte Produktionen, krachende Bässe und ungelenk wie auch hinlänglich bekanntes Malträtieren von Saiteninstrumenten steht, dem stehen nicht mehr viel Tore offen. Nehmen sie das, aus dem der Nebel kriecht und diese geschmacksresistenten Töne hervorquellen. Mies produzierter Proberaumkrach mit dem Charme eines überarbeiteten Henkers. Der pfeift nach einem langen Tag genau so erschöpft und lustlos aus dem letzten Loch, den durchfahren auch keine Geistesblitze mehr, der arbeitet den Restauftrag auch nur noch nach Schema F ab. Old School Attitüde hin oder her, niemand ist aufgefordert, jeden Ton der aus dieser Richtung erschallt, gleich auf eine Stufe mit den wahrlich Großen ihrer Zeit zu stellen. CHURCH OF DISGUST wären auch damals relativ chancenlos geblieben. Aber solange sie daran Spaß haben, sich an aufgewärmten Sachen zu versuchen und nicht behaupten sie wären die neuen Talentgötter unter dem schwarzen Firmament, können sie von mir aus weiter langweilen,  bis der Jüngste Tag anbricht. Ich halte das Streben des Duos für recht mühselig, wenn nicht überflüssig. Und dass nicht einfach, weil die Musik so schlecht wäre, sondern weil die Visionen fehlen. Also ab zurück ans Reißbrett, und doch mal einen starken Schwarzen zwischendurch oben rein kippen!

4/10

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