Thursday, January 23, 2014

DOWN FROM THE WOUND - Violence And The Macabre - Cd / Comatose Music



Um Missverständnissen vorzubeugen, ich mag brutalen Death Metal, all das Zeug was respektlos auf die Kalotte hämmert, was an den Eingeweiden sägt und in Stereotypen badet, als ließe sich damit der Alltag abwaschen. Blut und Gedärm und Monster und geknechtete Jungfrauen, ritze ratze von links nach quer aufgeschlitzt, immer politisch unkorrekt und provozierend. Unterhaltsam, plakativ, explizit, sexistisch, oberflächlich oder mit Tiefgang, einfach drauflos oder innovativ. Unter solch perfekten  Voraussetzungen und all den vom Amerikaner ins Leben jenseits gewöhnlicher Sozialisation gerufenen Spielarten der besten und lautesten Musik der Welt, ist das Vergnügen ganz auf meiner Seite. Es gibt nichts schöneres, als die morgendlichen Kopfschmerzen mit einem Knopfdruck ins Exil zu schicken. Wenn es eruptionsartig durch die Wohnung donnert, der Nachbar mit den Dauernachtschichten ein schlechtes Blatt hat, der Hamster im Käfig sein Laufrad zu Spänen raspelt und die Mutti freiwillig im Frauenhaus putzen geht. Wenn der Glaser einen Dauerauftrag  ergattert hat, der Untermieter wöchentlich die Decke spachteln muss, warmes Bier und kalter Kaffee überhaupt keine Chance haben, dann ist doch alles in Butter. Ein Album nach dem anderen lässt sich so beschwerdefrei konsumieren, tiefe Riffs, wüstes Geplärr und locker aufgestellte Drums können frei durch die Bude flitzen, zum Slam – Dance auffordern, groovige Rhythmen in die Muskulatur jagen, und ohne um Entschuldigung zu bitten, ist Rülpsen ausdrücklich erwünscht. Also, ich steh da wirklich drauf. Ich erwarte aber im Gegenzug auch ein gesundes Maß an Eigenregie.

Blöd wird’s dann, wenn mir eine Band auf die Eier geht, weil sie glaubt,  ideenlos immer am selben ausgeleierten Schlüpfergummi zu zupfen, füllt den kommenden Erfolgsanspruch zur Gänze aus, oder weil sie an der Ampel falsch abgebogen sind. DOWN FROM THE WOUND von den Philippinen gehören in diese Kategorie. Nicht dass sie nun die grauenvollsten Tonkünstler unter pazifischer Sonne wären. Die hacken und kaspern sich schon mit aller gebührenden Ernsthaftigkeit durch ihren (viel zu) langen Set. Was aber total auf der Strecke bleibt, ist der Puls, der Herzschlag den eine Band braucht um des eigenen Namens gerecht zu werden. Diese Jungs hingegen kopieren einzig die Vorgaben aus dem Lande der einstigen Kolonialmacht. Da haben die Urgroßväter, gekämpft, gestritten, geblutet und verloren, und dann steht da der Nachwuchs und redet dem früheren Aggressor nach dem Wort. Brutal-Slam-Death von der Stange, mehr hat ein sehr überschaubares Album nicht wirklich inspirierter Instrumentalsklaven nicht auf der Pfanne. Im Sonderangebot stehen  Obertöne, verramscht und verkauft wie des Marktschreiers überreife Tomaten. Nehmt mit, fresst, der Mist muss weg. Das Pfeifen der Gitarre hängt in jedem Song an jeder Ecke und erfreut sich einer omnipotenten Präsenz, verspritzt seinen quietschenden Beitrag zu handelsüblicher, brutaler Rülpse und versteht sich wohl sogar als Motorschmiere. Welche Überheblichkeit. Jeder Gitarrenanschlag ist schon aus der Entfernung vorausschaubar, da bringt es wenig Zusatzpunkte, wenn mit extremer Härte an den Saiten gerissen wird. Die Slameinlagen sind jene, die tempogebremst auf jeder anderen Genrescheibe wiederzufinden sind. Ich sehe schon die Gaskranken wie die Ampelmännchen im Kreise toben, einstudierte Bewegungen, die kein Feingefühl verlangen und die Bühnen der Gurgelnation beherrschen. Das woran sich DOWN FROM THE WOUND mit blinder Wut und blauäugiger Unachtsamkeit versuchen, vielleicht zu enthusiastisch austoben, ist bekannt wie die Himmelsrichtungen auf dem Gummiglobus und so aufregend wie eine brennende Katze. Diese Sorte fader Einheitsbrei ist schon lange gegessen.

Was bleibt positives übrig? Nun da sie nicht die großen Unbekannten sind, wird das Album auch über den Ladentisch wandern. Anhänger und Zirkeltänzer werden mit meiner Meinung nicht konform gehen und die Scheibe trotzdem kaufen oder im Netz klauen. Der Deal mit Comatose Music wird der Band im Mutterland der Freiheit zusätzlich den Rücken stärken. Somit steht einer semierfolgreichen Karriere nichts im Wege. Wer diesen Hackepeter unterstützen will, soll das tun, wer Fastfood für die neue Brigitte – Diät hält, soll sich den Wanst vollschlagen, wer nicht genug von Tinitusgerumpel kriegen kann, soll den Subwoofer tunen lassen. All das wird euch nicht vor einem qualvollen Tode in der Hölle belangloser Fahrstuhlmusik bewahren. Aber von mir aus, tragt doch euer Risiko wohin ihr wollt!

5/10

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