Saturday, January 18, 2014

FLESHWORLD - Like We're All Equal Again - Cd / Unquiet Records



Haben auf einem Londoner Friedhof doch tatsächlich ein paar Freizeitanalytiker versucht, die Urne von Sigmund Freud auszubuddeln. In der Silvesternacht – wohl im Vollrausch von Psychopharmaka und den Schlappen der Übermutter im Genick. Welches kontaminierte Genlabor ist für so einen Fehlgriff verantwortlich? Muss man jetzt nicht mehr über den schädlichen Einfluss von Computerspielen und satanischer Musik diskutieren, sondern die dubiosen Machenschaften der Pharmaindustrie aufs Korn nehmen? Zum Glück für die Totenruhe des ödipalen Hochmeisters, ist der Akt nicht gelungen, allein seine Verpackung hat Beulen davon getragen. Aber was wollten die Typen eigentlich mit seinem Häufchen Asche? Es der Mutter aus Rache für versteckte Begierden unter den Frankfurter Kranz rühren? Aufbrühen und auslöffeln lassen? Mit Fett vermischen und Seife gewinnen – kann man sich dann als Grobpeeling in die Poren rubbeln und so die Sauerstoffzufuhr zum Gehirn blockieren. Geht aber auch als Dünger für welkes Blumengestrüpp, oder zum Streuen bei Glatteis. Um so eine Aktion auf den Weg zu zwingen, und am Ende dann doch keine Hand frei zu haben, um den Topf mit nach Hause zu nehmen, muss ein noch nicht näher beschriebenes Trauma tief unter der Haut sitzen.

Ein ähnliches Trauma haben offensichtlich FLESHWORLD, die mit woher auch immer bezogenen Kriegsneurosen das Für und Wider blutiger Auseinandersetzungen von der psychologischen Seite betrachten. Hätten die die Asche vom Meister in die Pfoten bekommen, wüsste ich sofort was die damit gemacht haben. Ins Keks backen und den Weg der normalen Kaloreinverbrennung beschreiten lassen. Oder gleich rauchen, denn so breit wie ein anständiger Dübel macht, so breit sind auch die Musiker, die dieses Album aufgestellt haben. Post Metal / Sludge und ich weiß nicht was, verquirlen sich mit emotional hochgefahrenem Hasche spielen, melancholische Dauerschleifen weinen schöne und auch recht tüdelige Melodien in die Unendlichkeit. Teilweise klimpern Klangfolgen auf Akustikbasis daher, dass es nicht schwer fällt, an eine geistige Verbindung zum chinesischen Schattenboxen mit Rentnern im Stadtpark zu knüpfen. Selbst die Smogglocke ist nahezu greifbar. Ewige Melodienspiele strecken eine Musik, bei der man sich sehr schnell vom Metal an sich verabschieden muss. Gut, es gibt immer wieder auch Ausbrüche, die eine wesentlich härtere Seite propagieren. Aber das alles wirkt ungemein psychedelisch. Könnte auch aus einer Pink Floyd Ära stammen, als die Welt noch in Ordnung war, hätten die zu jener Zeit über derartige Technik verfügt. 

Der Albumtitel zeigt deutlich auf, dass die Band einem Trugschluss unterlegen ist, der nur entstehen kann, wenn man sich die Neuronen vernebelt, wenn man direkt aus dem Granatwerfer inhaliert. Zugutezuhalten ist aber auch, dass die Band bei aller Liebe zum Ungewöhnlichen, wenigstens süchtig nach schlüssigen Klangfolgen, plätschernden aber auch nicht ganz so belanglosen Melodien ist, und auf alle Disharmonien verzichtet, die solch wüstes Experimentieren zumeist ans Licht zerrt. Der ambiente Charakter, gepaart mit immer mal wachrüttelnden Riffs scheint da viel vordergründiger zu sein, als verqueres Dahinmusizieren. Deswegen holen sie sich auch Inspirationen aus allen möglichen Genres und lassen den reinen Pfad des Metal ganz fix links liegen. Sie erzählen und vertonen Geschichten von der Moral der Opfer und der Täter, vom Ausbluten und Ausbrennen bei Gewaltkonflikten, von der Perversion menschlichen Unrechtsbewusstseins. Und da im Genre des Hackmessers so etwas gewöhnlich mit brutaleren Mitteln dargestellt wird, ist diese Herangehensweise der Musiker äußerst gewöhnungsbedürftig. So wie Kubrick das in seiner Eröffnungssequenz zu Apokalypse Now mit den Doors zeigte, so muss man sich das bei FLESHWORLD auch vorstellen. Die Botschaft ist im gleichen Maße intensiv und sogar ernsthafter, als wenn Donner und Bleihagel aus den Boxen hervorbrechen würden. Dem zolle ich durchaus Respekt. Musikalisch ist das alles sehr gestanden und ansprechend, nur mit der Erwartungshaltung eines profanen Metalheads darf man diese Tür nicht durchschreiten. Denn dann wird es sofort anstrengend, dann reichen die paar deftigeren Parts nicht mehr aus, um das komplette Album durchzustehen.

Was wohl hätte Freud darüber zu wissen geglaubt. Dass die Sache mit dem Ödipus auch irgendwo eine kriegerische Handlung war, der versteckte Krieg im Bett? Dass das zu intonieren zu kompliziert wäre, und dass Krieg nach seiner eigentlichen Begrifflichkeit leichter zu beschreiben ist? Dass die Truppe einen mächtigen Hau hat und gar nichts dafür kann? Dass sie sich eigentlich mit dem Busen der Mutter anlegen und nicht mit der Psyche waffenstarrender Fremder?  Das Spekulieren darüber ist genauso wenig fruchtbar, wie die Suche nach einem objektiven Rating für „Like  We're  All Equal Again“, also lass ich´s bleiben.

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