Thursday, January 9, 2014

GUTSLIT - Skewered In The Sewer - Cd / Transcending Obscurity India



Der moderne Inder steht ein für seine Frauenquote, der wäscht nicht nur sein Heiligstes in einer dümpelnden Kloake und lässt Blökeviecher in die Straßen kacken, der bereitet nicht nur schon die kleinsten auf die Eventualitäten des Lebens vor, erspart ihnen den irrigen Umweg über ein fragwürdiges Schulsystem, der behütet nicht nur liebevoll lepröse Mitmenschen in unberührbaren Endzeitkommunen, nein der spricht der weiblichen Bevölkerung auch eine progressive Rolle zu. Nämlich die auf dem Rücken liegende, und wehe nicht. So wenigstens weiß es die Allmacht der Presse und lässt das Problem des blinden Testosteronüberschusses ein rein indisches werden. Mit etwas Distanz und logischem Menschenverstand (ist ein rares Gut – ist mit bekannt) lässt sich dieses Klischee schnell bekämpfen und die ganze Welt in ein fremdvögelndes und vergewaltigendes Indien verwandeln. Nicht nur da unten im Paradies der Kinderarbeiter gibt es Bekloppte. Es ist halt immer einfacher, ein Klischee zu bedienen, als aus einem bequemen Dämmerzustand zu erwachen, und gottbewahre selbst aktiv zu denken.

Eben jenen Fakt machen sich GUTSLIT aus Mumbai zu Nutze und baden in ihren verqueren Origen aus Gewaltfantasien, Foltereskapaden, perversen Züchtigungsritualen, profanen Morden und allgegenwärtigem Terror. Was auch bleibt ihnen über, haben sie sich doch für eine Spielart des Death Metal entschieden, der die Freiheit nach persönlicher Entscheidung ziemlich klein hält. Brutalstes Amigehacke mit austickender Doppelbasstrommel, blutigem Saitenzerreißen, pfeifenden Obertönen, groovigen Riffs, mörderischem Slam und jeder Menge technischer Twists. Häufig endet kein Stück so, wie es begonnen hat, oder dreht sich mittendrin wenigstens ein paar mal geschickt um die eigene Achse. Was lyrisch gewalttätig sein will, und dabei des Öfteren im profanen Sumpf der Peinlichkeit landet, entspricht musikalisch perfekt dem Bestreben, der versauteste und rücksichtsloseste Arsch auf Gottes Acker zu sein. Bei derartig durchgepfiffener Musik, getrieben von Gore und sonstigen Stillleben aus eitrigen und feuchten Fantasiegebilden und realen Beschreibungen menschlichen Elends, ist es verständlicherweise nicht möglich, Lieder über hohe Berge und Alpenglühen zu texten. Selbst „Mein Freund Der Baum ist tot“ trifft nicht im Ansatz das Alptraumziel, zu dem die 4 Inder reisen wollen. Nämlich hinab in den Sumpf menschlicher Gefühlswelten. Zugegeben, das tun sie wohl weniger im Namen der Aufklärung, sie werben nicht um Verständnis. Die wollen nur Spaß an dem ganzen Scheiß haben. Freuen sich an den Stereotypen, die die Welt für ihre immens intensive Knüppelei hinterlässt und scheren sich einen Dreck um politische oder ethische Genauigkeit. Moral ist nur für jene, die es sich leisten können! Das ist dem Inder so wichtig wie Schnee zu Weihnachten. Und deshalb meuchelt „Skewered In The Sewer” absolute vorbehaltslos und wertfrei. Sie machen dabei kaum etwas anders als zahllose amerikanische Seelenverwandte, gucken dabei angemessen grimmig und beanspruchen ihre Instrumente doch recht pfiffig. Die Sache mit den Obertönen überanspruchen sie vielleicht ab und an, die Stücke jedoch haben den erwarteten Drive, der auch jenseits des Atlantik, respektive Pazifik hinter Kängurucountry zu erwarten ist. Es offenbaren sich rasendes Durcheinander zum Köpfe einrennen und Bier verschütten, reichlich Spielwiese zum im Kreis toben und den Tanzbär auspacken und, was mir richtig gut gefällt und GUTSLIT etwas aus dem Brei des Gewöhnlichen befreit, eine gesunde Portion technischer Kniffe, die zum zuhören als auch freiticken verleiten. Das alles stopft die Band in ein Stück nach dem anderen und übernimmt sich dennoch nicht. Liegt daran, dass sie die Regeln beherrschen, durchweg auf Eingängigkeit setzen und offensichtlich selbst ausreichend Böcke haben, ihren Stiefel runter zu zocken.  Für ruhige Töne bleibt wenig Raum, einzig einige Zwischensequenzen mit diversen Einspielern lassen etwas Frischluft in den siffigen Mief. Aber auch das sind nur weitere Partikel, die ein Gesamtbild ergänzen, das an zügelloser Heftigkeit nichts zu wünschen übrig lässt. GUTSLIT treffen den Nerv jener, die Spaß ohne Verantwortung haben wollen, die bis Oberkannte Unterlippe metaphorisch in Blut und Eingeweiden suhlen,musikalisch immer heftiger auf die Schrumpfleber brauchen und vor allem trotz satter Skills nicht bei jedem Ton auf Anspruch pochen. Musik für Kandidaten die mit Klischees jonglieren können wie ein pummeliger Zirkusclown und auch das Wörtchen Ironie vor anstellen können. „Die Röcke hoch und stillgehalten, ich mein es gar nicht ernst!

7/10

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