Sunday, January 26, 2014

LAY DOWN ROTTEN - Deathspell Catharsis - Apostasy Records



Metal ist nicht rational, Metal ist Abwesenheit von Vernunft. Wer rationale Menschen sucht, geht zum Apotheker, oder zum pensionierten Physiker in der Stammkneipe. Metal bleibt der Quell der Jugend, selbst wenn zunehmend hinfälliger werdende Erscheinungsbilder darüber hinwegtäuschen können. Wer sein Leben lang unter äußerlich und  innerlich Langhaarigen zubringt, der weiß das auch. Klar, manche Einstellung ändert sich, manche Position fällt in ein anderes Licht, aber im Grunde bleibt alles beim Alten.  Die Musik ist geschmacklich und ideologisch randwärts geneigt, wird vom verständigen Konsumenten als absolut elitär empfunden und zieht sich als roter Faden durch den oft tristen Alltag. Die Sache mit Metal und Lebenseinstellung bietet sich als Phrase eigentlich nicht mehr an, weil sie realitätsnaher ist als Privatfernsehen, Vorgesetzte und Steuererklärung. Extreme werden bis zur Neige ausgelebt, ob nun mit 20, 40, oder als Zeitzeuge mit Bestandsschutz. Das Feuer geht nicht aus, wenn man es stetig schürt. 

Im (vermuteten) Bewusstsein dessen haben LAY DOWN ROTTEN nach ihrem nicht eben hoch gelobten letzten Album und dem Abgang bei Metal Blade das Heft nicht aus der Hand gegeben. Mit der Erfahrung der vielen Jahre im Rücken, sollte ihnen doch etwas greifbareres gelingen als „Mask Of Malice“ das nun (subjektiv) betrachtet nicht gerade hochprozentiger Death MetalCocktail war. Oder ist das Selbstbewusstsein geschwunden? Na das wohl mitnichten. Auffällig auf dem neuen Output ist die stark melodiöse Seite, die meist bevor es zu bunt wird, von kernigen Riffs abgelöst wird. Bereits bei dem unendlich lang erscheinenden „Cassandras Haunting“, dem Eröffnungstrack wird das zur Herausforderung. Und trotzdem ist die Band sich treu geblieben, waren diese Elemente doch immer das tragende Konstrukt der Musik. Moderner sind sie womöglich geworden. Wie zum Beispiel bei „Schädelberg“. Und das liegt nicht an den deutschen Texten, sondern viel mehr an diversen Arrangements, die anfänglich Härte durch Einfühlungsvermögen ersetzen und viel mehr versierte Verspieltheit durchblicken lassen, als es vielleicht beabsichtigt war. Hinzu kommen dezente Grooves, alles gar nicht ausschließlich Dinge, die sich der Death Metal vorbehält. LAY DOWN ROTTEN packen ihre Stücke heute scheinbar gern voll, ohne sich selbst zu verlieren, stehen auf Komplexität. Beabsichtigt oder nicht sei mal dahin gestellt.  Kommen aber auch immer wieder gern auf den bleiernen Kern der Geschichte zurück. So gehört bei „Among The Ruins…“ ein Stück das seine Affinität zu Bolt Thrower beim Eröffnungsriff nicht zu verbergen mag.  Und dann haben wir da noch den Teil der Scheibe, bei dem es sich auch im Suff laut mitgröhlern lässt, „The Fever“. Alles andere mäandert irgendwo dazwischen, oder als unauffälliges Akustikgeplänkel daneben. Am Ende lässt sich zumindest zweierlei attestieren, Abwechslung und der Versuch intelligenten Songwritings. Letzteres hängt sich manchmal auf, da diverse Nummern zu überladen erscheinen. Das Gespür für den richtigen Moment, an der passenden Stelle Akzente zu setzen und mit markanten Hooks zu arbeiten, das hat die Band aber wieder um einiges besser im Griff als noch vor 2 Jahren. Und so muss sich niemand Sorgen machen, dass das hessische Kraftpaket den Weg verloren hätte. Egal ob das was sie vor ca. 15 Wintern als ultimativen Death Metal für sich entdeckt haben, heute schon irgendwie anders klingt. Reifer eben, oder doch angepasster, von der Zeit und dem eigenen Geschmack abgeschliffen? Wer will sich darüber schon ein Urteil anmaßen. Deathspell Catharsis nun legt Zeugnis eines wahrscheinlich nicht immer leichten Werdegangs ab. Ist dabei vielleicht etwas zu zahm und angepasst geworden, macht aber Spaß, wenn man sich drauf einstellt. Ist nicht unbedingt der versprochene Bulldozer geworden, vielmehr ein vielschichtiges Stück Musik, das sehr tief ins Nähkästchen einer sich erholenden Band blicken lässt. Kann mir gut vorstellen, wie die mit rauchenden Köpfen, viel zu vielen Ideen und schäumendem Enthusiasmus  im Kämmerlein hockten, um etwas Neues zu stricken. Vielleicht um die relativ schlechte Kritik des Vorgängers zu umgehen, wohl eher aber um den stets strammen Mittelfinger trotzig  hoch zu halten. Des Ergebnis gibt dem auch irgendwie recht. Noch sind sie nicht wirklich wieder zurück, müssen bei dem was sie selbst in der Lage sind, auf die Beine zu stellen, aber auch niemandem mehr was beweisen. Gute Arbeit!

7/10

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