Friday, January 10, 2014

THE BEYOND - Decaying Death Mcd / Selbstgeschossen



Langsam senkt sich die Schicht aus Staub und Dreck, Sonnenlicht stiehlt sich zögerlich durch den grauen Vorhang der Schuttwolke und von irgendwo weht eine frische Brise daher. In den steinigen Kratern, zwischen den Ruinen und  in den dunklen Kellern rührt sich erstes Leben, zaghafte Zuckungen menschlichen Fleisches. Die Ohren klingeln noch, bedingt nachhaltiges pfeifen und dröhnen haben sich als vorherrschende Geräuschpegel in geplagten Gehörkanälen etabliert. Diese in direkter Folge mit dem gerade Geschehenen in Zusammenhang stehende Krawallodyssee wird angeschlagene Trommelfelle und sensible Gemüter noch einen Moment beschäftigen. Nicht sehr lange, denn das Vergessen ist Spielkamerad kommender neuronaler Herausforderungen. … Ich habe ein Akustikbombardement überlebt, schüttle mich kurz, beklage lästige Kopfschmerzen und vergesse eben wieder. Eingeschränktes Kurzzeitgedächtnis und viel zu früh einsetzende Demenz tun ihr übriges. Oder liegt es doch daran, dass mich eine Band, die schon in gewisser Weise einen mächtigen Hammer schwingt, keinen bleibenden Eindruck hinterlässt? Ich werde an dieser Stelle nicht behaupten THE BEYOND würden sich in ein halbherziges und oberflächliches Herumkomponieren ergeben. Ihr stark an den 90er Ami Tod angelehnter Neuronenkollaps, inklusive schwartendickem Gitarrensound und durchweg eingängigen Riffing, orientiert sich grob an Bands wie SFU, Autopsy und peripher auch Cannibal Corpse ohne technischen Anspruch. Unterschwellige Melodien und raspelnde Rhythmusgitarre mühen sich redlich ab, auch der Sänger kotzt seinen Frosch, nun etwas emotionsgedrosselt aber dennoch satt und feucht auf die Bretter. Einzig auch nach einem Dutzend Durchläufen und trotz gewissem Wiedererkennungswertes flackert das Lämpchen der Begeisterung nur schwach und verhalten. Es ist als würde die Musik der Italiener einfach vorbeirauschen, fühlt sich an wie ein Fresskoma. Übersättigt und nicht mehr aufnahmefähig. Zu oft gehört, respektive zu viel davon gefressen. Dann ist es das normalste der familiären Mittagsstunde, dass der gemästete Leib auf das Sofa mäandert und dort, abgeschirmt von den Eventualitäten eines banalen Tages in tiefen und unruhigen Schlaf fällt. Der Blutkreislauf gibt dem Hirn frei und schickt die roten Wänster Richtung Magen, um der Verdauung unter die Arme zu greifen. Und wenn sich dann frische Eindrücke unangemeldet anschleichen, müssen sie sich nicht wundern, wenn sie vor verschlossener Tür stehen. Dieses anatomisch und ebenfalls intellektuell zu erklärende Phänomen entert meinen überladenen Verstand und verhindert, das THE BEYOND in meinem Heimkino mitspielen dürfen. Die Band schrammt trotz scheinbar großer Ambitionen immer am Ereignishorizont des Gewöhnlichen entlang und spielt lediglich Musik auf, die schon mehrfach und auch intensiver interpretiert wurde. Was fehlt ist das Quentchen Innovation, das den Nachbrenner scharf macht und aus durchweg guten Stücken echte Nackenbrecher macht. So aber liegt das gequälte und geschundene Mittagstischopfer auf dem Divan, krümmt sich vor Bauchschmerzen, dichtet sich die anrückende Übelkeit mit Schnaps weg und hofft, dass die Peristaltik nicht versagt. 

THE BEYOND verschenken so ein bisschen ihr eigenes Potential, weil sie ihren Blick scheinbar nur stur rückwärts gerichtet haben. Wer so agiert, und das tun bekanntlich viele, der muss das mit wacherem Geist und mehr Überzeugungskraft tun. Noch mal, schlechte Musik klingt anders, die lassen sich schon nicht dabei erwischen, wie sie ausgekauten Müll entsorgen, dass was ihnen da rausrutscht, drückt immer noch angenehm auf diverse Felle. Groovt hinlänglich und beißt sich vereinzelt auch mal in einer unvorsichtigen Wade fest. Von flotten Akkorden bis hin zu kräftigem Midtempo füllen die ihren eigenen Wunschzettel schon zufriedenstellend aus. Einzig der Schritt aus der Monotonie der längst bekannten und jahrelang missbrauchten Töne will nicht gelingen.  Aber geht ruhig und kauft die Ep, wer weiß wozu es gut ist, ihr habt ohnehin mit großer Gewissheit beschisseneres Musikkonstrukt in euren Sammlungen.

6/10

No comments:

Post a Comment