Wednesday, January 8, 2014

USURPRESS - BENT SEA - Split - Mcd / Selfmadegod Records



Selfmadegod Records lockt Ausgang letzten Jahres mit einer Split, die zwei recht konträre Bands Rücken an Rücken stellte. USUPRESS aus Schweden und BENT SEA, die wohl mit Recht als internationales Grindprojekt verstanden werden wollen. Konträr deswegen, weil beider musikalischer Basis an ganz anderen Orten liegt. USUPRESS sind in gewisser Weise heimatverbunden, wissen wie zünftig angestaubt schwedisch geballert wird. Kennen sich mit diversen morbiden Schnipseln aus, fügen doomige Endzeitfantasien sowie grottig cleanen Gesang ein und rasseln mit rostigen Ketten. Nicht immer ganzzeitiger aber dennoch fester Begleiter ist der D-Beat Rhythmus. Der dominiert in den weitestgehend fixeren Passagen und semmelt dem Konzept der musikalischen Entmenschlichung gepflegten Melodiengutes eine arg räudige Keule über den dröhnenden Psychopatenschädel. Alles was ihr euch von einer Band nördlich des Weißwurstäquators erwartet, sollt ihr somit von USUPRESS auch serviert bekommen. Auch wenn der Prügel, den sie zu schwingen beabsichtigen, meist etwas desorientiert im Innovationsstau pendelt, und sich der Spaß den sich manch einer gern im Vorfeld davon verspricht, auf eine durchgesessene Couch und grisseliges schwarz/weiß Fernsehen reduziert, anstatt in ultrahochauflösender High Definition Pornos zu glotzen, dürfte die Band noch genug Puste haben, um die ewige Flamme schwedischen Totmetalls ab und an flackern zu lassen. Die Musiker selbst haben alle different Backgrounds, was die Mischung aus Bleihagel, schwarzen Aussetzern und Hardcore Punk erklärt und am Ende auch so in gewisser Weise die Messlatte der Mittelmäßigkeit wenn auch mit Mühe, hinter sich bringt. Unter anderem mit von der Partie ist hier am Bass Daniel Ekeroth, bekannt als jahrelanges Mitglied von Insision und seines Zeichens renommierter Sachbuchautor. Auf seinem Mist ist die Band ursprünglich zwar nicht gewachsen, ein Altherrenclub, der es noch mal wissen muss, sind USUPRESS dennoch. Fast alle haben die 40 hinter sich und schaffen den Anschluss an die Zeit, als Arthrose und Verkalkung den Kadaver noch nicht beeinflusst haben, nur mit viel Erfahrung und etwas zittrigem Handling. Unterm Strich ist das halb so wild, weil das Gehacke immer noch funktioniert … irgendwie. Wer düsteren und immens rohen Scheiß mag, wer vorzugsweise auf den Gottesacker zum Techtelmechtel - Picknick geht, mit Cornflakes, Aldisekt und Erdbeere im Bauchnabel, wer seinen Sexualpartner lustvoll in  offengelassenen Grabstätten beglückt, dem dürften URUPRESS durchaus einen musikalischen Anreiz für den nächsten Ausflug setzen. 

BENT SEA bedienen nun ein gänzlich anderes Klientel. Wer weiß, dass sich das Brutalogebolze mit Qualitätsgarantie aus den Vielmusikern Dirk Verbeuren (u.a. Soilwork), Svencho von Aborted und Shane Embury zusammensetzt, der ahnt was da kommt. Ultraschneller und rücksichtsloser Grindcore mit diversen Death Metal Ansätzen (Misery Index, Aborted)! Hier und da noch ein paar rockige Grooves und Shanes fett abgemischter Bass, fertig ist Unterhaltung erster Kajüte. Und dann brüllen und röhren sich die nimmer satten Gewaltfantasten mit viel Ironie und den Fingern in manch sozialen Wunden durch einen sehr kurzweiligen Set, durch Stücke die stilecht im 1 – 2 Minuten Rhythmus eruptieren und dann wieder vom Radar verschwinden. Dass es auch zwischendrin mal schwerfälliger geht, ohne aufgesetzt zu erscheinen, beweist „I Am Become Lust“ und setzt gleichzeitig Einflüsse durch, die weitab vom Grindcore liegen. Und trotzdem; laut Pressebericht versteht sich das Projekt als Homage an die Gründerväter von Grind und Noise. Gut, dass sie gleich selbst einen mit an Bord haben. Und gut, dass das Ergebnis mehr offenbart als eine Kopie aus der 4 Spur Vergangenheit. BENT SEA ist wie ein später Kindertraum, der in Erfüllung geht, wie ein feuchtes Intermezzo im Kornfeld. Die Stücke haben so viel Energie und leisten so viel Vorschub, dass es nahezu unmöglich ist, still zu sitzen. Das ist das gleiche erhebende und nostalgische Gefühl, als wenn der Papa zu Weihnachten mit der frisch montierten Autorennbahn kleine Plastikboliden aus der Spur und in die Glasvitrine rasen lassen darf. BENT SEA ist so was wie eine grindige Frischzellenkur für längst verschüttet geglaubte Hirnareale und macht durchweg riesigen Spaß.

Ihr seht also, dass beide Bands nicht wirklich zusammen passen wollen, sich aber irgendwie doch ergänzen und gegenseitig neue Anhänger ins Lager jagen. Es spricht nur wenig dagegen sich diese Mini nicht in die verbeulte Tasche zu schieben, über diverse Unzulänglichkeiten lässt es sich leicht hinweg sehen. 

7/10

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